Interview mit “Data” Brent Spiner:
Auf Erfolg programmiert
Am 3. Mai 1997 hatte ich die Gelegenheit, den hauptsächlich durch seine Rolle als Android “Data” in der Science-Fiction-Serie “Star Trek: The Next Generation” bekannten Bühnen- und Filmschauspieler Brent Spiner anlässlich einer Convention in Blackpool, UK zu interviewen. Wendy Warwick-White begleitete mich als Fotografin. Die englische Version kann auf limone.de nachgelesen werden: Spiner’s Sense of Show
Eitel ist er zumindest nicht, denn wenn er es wäre, würde er kaum zum Interview auf Turnschuhen in Großraumhose und Jeanshemd kommen. Außerdem begrüßt er uns mit einem Gähnen und entschuldigt sich mit Jetlag – Schauspieler Brent Spiner, als Star Treks Android “Data” berühmt geworden, ist erst kurz zuvor aus Los Angeles zur Star-Trek-Convention “The Mission” im englischen Badeort Blackpool angereist und noch ein wenig müde. Dennoch beobachten uns die hellblauen Augen hinter der John-Lennon-Nickelbrille wachsam und nachdenklich. Spiner ist kein Freund von Interviews, Selbstdarstellung scheint ihm wenig zu liegen. Doch sie gehört zum Job, und darum geht er auch das Interview wie ein Profi an.
Professionell war seine Karriere schon von Anfang an, schließlich hat er eine solide Grundlage als Broadwayschauspieler, aber außerhalb Star Trek haperte es noch mit der Bekanntheit. Langsam ändert sich das. Nicht nur hat Brent Spiner die Öffentlichkeit als verschrobenes Genie Dr. Okun in “Independence Day” auf sich aufmerksam gemacht und wird Seite an Seite mit den Leinwandlegenden Jack Lemmon und Walter Matthau in “Out to Sea” als wenig umgänglicher Kreuzfahrtdirektor Gil Godwyn in See stechen, sondern er kehrt auch zum Broadway zurück, als Republikvater John Adams in dem historischen Musical “1776″. Aber keine Bange, seine Dienstzeit als Android Data auf der USS Enterprise ist noch nicht zu Ende, und höchstwahrscheinlich wird er auch als Dr. Okun in der geplanten Fortsetzung von “Independence Day” wiederbelebt werden.
Gibt es für Sie einen Unterschied zwischen den europäischen und amerikanischen Fans?
Nein. Überhaupt nicht. Die Fans sind alle von der gleichen Sache motiviert, ihrer Zuneigung für jede Art von Science Fiction und Star Trek, und im Kern sind sie alle sehr ähnlich.
Sie waren in zwei großen SF-Filmen, “Independence Day” und “First Contact”, aber jetzt machen Sie mit “Out to Sea” etwas ganz anderes. Verabschieden Sie sich von der Science Fiction?
Nein, das glaube ich nicht. Ich bin ziemlich sicher, daß wir einen weiteren Star-Trek-Film machen werden, und ich bin möglicherweise in der Fortsetzung zu “Independence Day”. Ich habe es generell nicht mit speziellen Genres. Schauspielerei ist Schauspielerei. Es geht darum, Probleme zu lösen, dabei spielt es keine Rolle, ob es Science Fiction oder ein Western oder eine Komödie oder was auch immer ist. Und egal was man mir anbietet, wenn ich das Projekt für interessant halte, mache ich es.
Was ist ein interessantes Projekt? Haben Sie gewisse Leitlinien, nach denen Sie Rollen auswählen?
Nur sehr grobe Leitlinien. Grundsätzlich – wenn ich es für interessant halte, mache ich es, und wenn ich es nicht für interessant halte, mache ich es nicht.
Wie definieren Sie “interessant”? Was ist ist für Sie eine Herausforderung?
Eine Herausforderung? Es ist immer eine Herausforderung! Wenn du eine Rolle bekommst, ist da immer das Risiko, daß du nicht herauskriegst, wie du sie angehen mußt. Du kannst dir nie ganz sicher sein. Aber wenn es darum geht, was interessant ist – ich habe Projekte sausen lassen, Drehbücher abgelehnt, und es wurden wundervolle Filme daraus. Es geht einfach darum, ob das Drehbuch mich anspricht, dann bin ich interessiert daran.
Aber vom Drehbuch kann man noch nicht unbedingt sagen, was für ein Film daraus wird?
Nein. Aber wenn es ein gutes Drehbuch ist, wird in der Regel auch ein guter Film daraus.
Aber bei “First Contact” wurde das Drehbuch doch ständig geändert – vom ersten Eindruck konnte man überhaupt nicht wissen, was schließlich dabei herauskommen würde…
Stimmt. Aber der Entstehungsprozeß von Star-Trek-Filmen ist völlig anders als bei den meisten anderen Filmen. Wir können als Schauspieler mehr beeinflussen: Wir sehen das Drehbuch, wir treffen uns und machen unsere Anmerkungen und sagen “Das klappt” oder “Das klappt nicht”, “hier ist nicht genug Charakter”, “das ist nur Handlung, wo bleibt der Charakter”, und… aber du weißt nie, ob der Film am Ende gut wird oder nicht.
Gibt es eine Rolle, die Sie unter gar keinen Umständen spielen würden?
Eine ganze Menge Rollen! Wenn die Rolle langweilig ist, will ich sie nicht spielen. Wenn jeder sie spielen kann, warum soll ich es tun? Was mich herausfordert, sind Rollen, bei denen keiner weiß, was man daraus machen soll. Ich bekomme meistens die Rollen, die nicht klar definiert sind, bei denen die Regisseure und Produzenten nicht wissen, was sie damit anfangen sollen.
Ist es Ihnen wichtig, eine Rolle frei ausbauen zu können?
Ja. Wenn ich keinen Ansatz finden kann, will ich es nicht tun, und wenn es eine alltägliche Figur ist, gibt es so viele andere Schauspieler, die sie verkörpern können, warum also ich? Es muß für mich so aussehen, als könnten sie sich niemand anderen für die Rolle vorstellen und geben sie deshalb mir und nehmen an, daß ich was daraus machen kann.
Sie sind also ein leidenschaftlicher Schauspieler, aber wenn Sie nicht als Schauspieler arbeiten könnten, was würden Sie dann gerne machen?
Oh, vielleicht Diplomatie? Ich wäre vielleicht gerne im diplomatischen Korps, um Probleme zu verhandeln. Das ist Zuhören, und darum geht es auch bei der Schauspielerei. Du mußt in der Lage sein, beiden Seiten zuhören zu können und nicht vorschnell ein Urteil zu fällen, und das spricht mich an. Aber zum Glück mußte ich es bisher noch nicht tun.
Wie schaut es mit der Politik aus? Sie sagten einmal, daß Sie für den Kongreß kandidieren wollten…
Ja, daß ich für den Staat Texas für den Kongreß kandidieren will. Meine Idee dabei war, daß die Leute den wählen, den sie kennen, und wenn ich für Texas kandidieren, würden mehr Leute mich kennen als irgendjemanden sonst, also hätte ich eine wirklich gute Gewinnchance – nicht daß ich es wirklich machen wollte.
Aber als Politiker müßten Sie eine Menge einstecken können…
Mit der Schauspielerei ist das auch nicht viel anders. Die Öffentlichkeit ist gemein, sie ist wankelmütig und schnell mit einem Urteil bei der Hand… Mit dem Showgeschäft ist es wie mit der Politik: Jeder hat eine Meinung über dich, und sie sagen es dir mit Begeisterung sogar ins Gesicht: “Du hast mir darin nicht gefallen. Ich finde nicht, daß du sehr gut warst darin.” So als ob jeder ein Experte wäre, ob in der Politik oder im Theater und im Film! Du mußt also schon eine Menge Prügel einstecken als Schauspieler, es ist einer der wenigen Berufe, in denen man öffentlich von jedem kritisiert wird, sogar in den Zeitungen!
Verletzt Sie Kritik?
Früher war es unangenehm für mich, aber heute interessiert es mich nicht mehr. Die Kritiker widersprechen sich alle. Die einen mögen den Film, die anderen nicht, also was soll’s? Jeder kann Kritiker werden, man muß es nicht lernen, und es sind nur persönliche Meinungen. Das beeinflußt nicht, was man als Schauspieler tut.
Aber als Schauspieler brauchen Sie Feedback – woher bekommen Sie es? Von den Zuschauern? Davon, wie erfolgreich Sie sind?
Alles, worauf es ankommt, ist, ob du wieder einen Auftrag bekommst.
Aber die Kritiker beeinflussen das doch?
Die Kritiker haben darauf keinen Einfluß, sie unterhalten nur, genau wie wir. Wenn Sie die Kritik in der Times lesen, und da steht, die Aufführung ist schrecklich, und dann lesen Sie den Evening Standard, und da steht, die Aufführung ist großartig, wie kann das irgendetwas beeinflussen? Die Leute müssen selbst entscheiden, was sie sehen wollen und was nicht.
Was sagte Ihre Familie, als Sie Schauspieler werden wollten?
Sie waren nicht gerade begeistert. Sie waren realistisch. Das ist wohl die Pflicht jeder Familie, ihre Kinder davon abzubringen, ins Showbusiness zu gehen. Sie versuchen, dir den Kopf zurechtzurücken, aber wenn du es nun mal tun mußt, machst du es auch. Und wenn du dann erfolgreich bist, ist es wunderbar. Aber sie haben mich in der Form unterstützt, daß sie nie meine Fähigkeiten in Frage gestellt haben, sie waren immer davon überzeugt, daß ich es kann, aber sie wollten einfach auch sichergehen, daß ich nicht auf der Straße ende.
Wenn es jemandem immer gut ging, kann er dann kein guter Schauspieler sein?
Es gibt so viele gute Schauspieler, die eine ganz normale Mittelschicht-Kindheit hatten. Auf das Talent kommt es an. Es ist eins von den Dingen, über die du im Grunde keine Kontrolle hast. Es ist genau wie wenn du schön geboren wirst. Du kannst das verstärken, dich nett anziehen, dich schminken, dein Haar schön frisieren, deine guten Voraussetzungen verstärken, aber du mußt nicht unbedingt durch schwere Zeiten gegangen sein, um ein guter Schauspieler zu werden.
Was halten Sie von “method acting”? Muß man einen Charakter leben, um ihn spielen zu können?
Es hängt von der Rolle ab. Manche erfordern Nachforschungen, andere nicht. Manche erfordern Vorstellungskraft. Data in Star Trek – darüber kann man keine Nachforschungen anstellen. Wer weiß schon, was ein Android ist? Hier ist die Vorstellungskraft gefragt. Aber wenn man eine historische Figur spielt, so wie ich es jetzt in diesem Musical tun werde, liest man Bücher darüber. Es hilft nicht unbedingt, aber man findet vielleicht ein kleines Goldkörnchen, das man verwenden kann. Aber es ist keine Dokumentation, also versucht man einfach, die Wahrheit in dem Stück zu finden und das zu projizieren. Man forscht nach, damit man selbst Bescheid weiß.
Die Methode ist eigentlich nur, deine eigenen Gefühle zu erkunden und darauf zuzugreifen. Ich habe am Strasberg Institute in
New York studiert, und man kann wohl kaum mehr darüber lernen als dort.
Hat es Ihnen persönlich geholfen, all diese Dinge über Schauspielerei zu lernen? Das klingt sehr nach Psychologie…
Ja, allerdings. Ehrlich gesagt fand ich es ziemlich unangenehm. Ich würde lieber zu einem Psychiater gehen als in eine Schauspielklasse, wo der Lehrer so tut, als ob er ein Psychiater wäre.
Muß sich ein Schauspieler entblößen?
Ja. Es ist die Aufgabe eines Schauspielers, sich an einem gewissen Punkt öffentlich zu erniedrigen, sich zu entblößen. Du mußt das tun, ein Narr sein, ein Clown. Ich habe Ian Holm als King Lear gesehen, letzte Nacht im Nationaltheater. Ein wirklich hervorragender Schauspieler. Es war ein sehr kleines Theater, nur wenige Leute, und in Lears geistiger Verwirrung an einem bestimmten Punkt im Stück läßt er plötzlich all seine Kleider fallen, und plötzlich steht Ian Holm vor dir, in diesem Theater, völlig nackt, und ich dachte mir, “Was für ein tapferer Mann. Ich glaube nicht, daß ich das tun könnte.” Und ich hatte das Gefühl, daß Ian Holm absolut kein Problem damit hatte. Er hat sich schon so viele Jahre lang auf so viele Arten entblößt, daß es nichts bedeutet, sich auszuziehen, im Vergleich dazu, wie nackt er sich emotional schon präsentiert hat.
Haben Sie am Broadway nicht einmal nackt gespielt?
Ich sollte, aber wir sind nie soweit gekommen, weil das Stück vorher abgesetzt wurde. Es war ein Vierteiler, und die Szene war im vierten Teil, und wir hatten sie noch nicht geprobt, also mußte ich es nicht machen. Aber ich glaube, ich würde mich nicht wohlfühlen dabei.
Stichwort Shakespeare – würden Sie gern in London Shakespeare spielen?
Im College habe ich Shakespeare gespielt, und ich würde gerne eines Tages den Shylock geben. Aber ich weiß nicht, ob ich das in London versuchen würde, obwohl ich glaube, daß England aus irgendeinem Grund sehr freundlich ist zu Amerikanern, die sich an Shakespeare versuchen. In Amerika interessiert sich niemand wirklich für Amerikaner, die Shakespeare spielen. Die Amerikaner lieben es, wenn die Briten Shakespeare spielen. Und es gibt einen Grund dafür: Sie sprechen es schön. Wir in Amerika lieben den britischen Akzent. Als britischer Schauspieler muß man in Amerika fast zwangsläufig Erfolg haben, weil Amerika den britischen Akzent liebt. Und vielleicht schätzt es England umgekehrt, wenn ein Amerikaner Shakespeare spielt. Ja, ich würde das liebend gerne tun. Alles, was ich tun kann, ist wieder auf die Bühne gehen und hoffen, daß das irgendjemanden dazu anregen wird, mir die Rolle des Shylock zu geben.
Ist das ein neuer Weg, den Sie da verfolgen, zurück zum Broadway, zurück auf die Bühne?
Es war nicht meine Idee, denn ich habe wirklich Spaß daran, Filme zu machen. Ich liebe das Filmset, ich liebe den ganzen Prozeß, ich liebe die Tatsache, daß du jeden Tag was anderes machst. Bühnenarbeit kann wirklich ermüdend werden, wenn du nicht gerade jede Nacht an deiner Rolle feilst, dann wird es interessant für dich, aber ich glaube, mein Hauptgrund dafür, daß ich auf die Bühne zurückkehre, ist, daß ich will, daß in meinem Nachruf steht “Bühne, Film und Fernsehen”, und das wird nur passieren, wenn ich weiterhin auf der Bühne stehe.
Übt das eine andere Faszination auf Sie aus, einen direkten Kontakt zum Publikum zu haben, die ganze Sache einen Abend lang durchzuziehen?
Ich habe zehn Jahre in New York Theater gespielt, ich war in 25 Stücken. Allerdings ist das 12 Jahre her, und ich fand, daß es an der Zeit wäre, zurückzukehren. Und es stimmt, du mußt das ganze Stück ohne Pause durchziehen, aber es ist ein wirklich kurzer Tag, verglichen mit einem Filmtag, drei Stunden sind das Maximum.
Aber es ist doch viel intensiver?
Das ist es, es ist eine intensivere Konzentration, die nicht abreißen darf. Sobald der Vorhang einmal oben ist, muß die Aufmerksamkeit bis zum Ende vorhalten.
Ist das aufregender für Sie?
Nicht aufregender. Es ist aufregend, ich wollte das immer machen, immerhin habe ich darauf hingearbeitet, Theater zu spielen, aber ich war immer verliebt ins Kino. Wenn du als Schauspieler das Glück hast, arbeiten zu können, war’s das. Egal ob Bühne, Fernsehen oder Kino, du solltest deinem Glücksstern danken, denn es gibt so viele Leute, die das tun wollen die mindestens genauso begabt sind wie du, wenn nicht begabter. Das gewisse Quentchen Glück ist das wichtigste für jeden Schauspieler.
Glauben Sie, Sie könnten eine Einmann-Show machen, so wie Patrick Stewart in “Christmas Carol”?
Ich denke schon. Es müßte das richtige Material sein. Ich habe ein paar Ideen über Sachen, die ich gern machen würde, aber ich hatte noch keine Zeit, sie aufzuschreiben.
Apropos aufschreiben… Sie haben kürzlich in einem Internet-Chat erwähnt, daß Sie schreiben. Was schreiben Sie? Drehbücher?
Nein, ich schreibe an einem Roman. Das Buch ist über einen Schauspieler in Hollywood im Jahr 1938, der der Star in einer B-Serie war. Die Serie ist zu Ende, und er konnte keinen anderen Job bekommen, also wird er Privatdetektiv und arbeitet für die Stars.
Gibt es da eine reale Person, an die Sie dabei denken, oder ist das reine Phantasie?
Es ist nur Phantasie. Das bin ich. Das wäre ich gewesen.
Sie wären gerne der Detektiv?
Naja, das wäre wohl aus mir geworden. Die Idee kam mir, als die Serie The Next Generation zu Ende ging und ich mich fragte, ob das das Ende meiner Karriere war. Zum Glück war das nicht der Fall, aber die Möglichkeit bestand. Es gibt so viele Schauspieler, die so mit ihrer Rolle identifiziert werden, daß sie nichts anderes mehr angeboten bekommen, und als die Serie zu Ende war, habe ich diese Frage wohl öfter gestellt bekommen als jeder andere: “Glauben Sie, daß Sie jemals noch eine andere Rolle spielen werden?” Ich habe dann immer geantwortet “Schauen Sie sich Sean Connery an. Keiner hat geglaubt, daß er jemals was anderes spielen würde als James Bond. Er hat sich recht gut gemacht seitdem.”
Haben Sie schon einen Verleger für das Buch?
Ich habe einen Verleger, ja.
Sie werden öffentlich wahrgenommen. Können Sie damit leben, daß Sie nicht in den Supermarkt gehen können, ohne erkannt zu werden?
Das ist mir immer noch nicht wirklich passiert. Ich werde gelegentlich erkannt, aber nicht so oft. Ich war in ganz London unterwegs gestern, und nur ein einziger erkannte mich. Meistens ist es angenehm, und nur selten bedrängt man mich, also habe ich kein Problem damit. Ich kann mir vorstellen, daß es Leute gibt, für die es sehr schwierig ist. Ich glaube, Patrick Stewart geht es da viel schlechter, denn niemand auf der Welt sieht so aus wie er, und er sieht die ganze Zeit so aus, und ich werde meistens dann erkannt, wenn ich mit Patrick zusammen bin.
Sie konnten kürzlich mit Jack Lemmon und Walter Matthau arbeiten – hatten Sie das Gefühl, daß Sie sich als Schauspieler beweisen mußten?
Beweisen weniger. Ich wollte einfach nur nicht, daß sie sich nach der ersten Szene mit mir gegenseitig ansehen und fragen: “Wer ist das? Was macht er da nur?” Sie waren unglaublich großzügig. Einer der großartigsten Momente meiner ganzen Schauspielkarriere war, als ich eine komische Szene mit Jack Lemmon probte, und ich war nervös, und er fragte, ob ich was dagegen hätte, wenn er was ausprobiert, eine kleine komische Sache, und ich sagte “Bitte sehr.” Er machte es, und wir filmten, und wir drehten die Szene zwei oder dreimal, und dann kam die Regisseurin zu uns und sagte “Es funktioniert nicht, Jack”. Er sagte “Ja, ich wollte es nur mal ausprobieren, du hast recht, es funktioniert nicht.” Sie sagte “Laß es uns rausschneiden”, und er meinte “OK”, und sie wollte sich schon umdrehen, als ich sagte “Weißt du, ich glaube, ich weiß warum das nicht funktioniert”, und er fragte “Warum”, ich sagte “Nun, wenn du es so und so machst…”, und er sagte “Aha, das ist es, danke, das ist genau richtig”, und wir machten es nochmal. Es paßte perfekt, und so wird es auch im Film zu sehen sein. Es war ein aufregender Moment, tatsächlich in der Lage zu sein, Jack Lemmon zu sagen, wie man eine komische Szene hinbringt. Es war ironisch und wundervoll für mich.
Sie singen und tanzen eine Menge in “Out to Sea”. Haben Sie Stunden genommen?
Ich mußte eine Menge proben, aber Stunden habe ich keine genommen. Ich war schon vorher in Musicals, ich konnte also schon ein bißchen singen und tanzen.
Wird es eine Platte zum Musical “1776″ geben?
Ich weiß es nicht. Ich habe versucht, die Produzenten davon zu überzeugen, aber ich weiß nicht, ob sie es machen werden.
Es hat immer geheißen, daß Sie vielleicht eine zweite CD machen werden…
Es gibt keine ernsthaften Pläne. Ich bin kein echter Sänger, nicht so wie Frank Sinatra. Ich habe das zum Spaß gemacht und weil ich die Möglichkeit hatte, aber ich will in der Richtung nicht weitermachen. Ich bin ein Broadwaysänger, das kann ich, aber ich bin kein Musiker.
Sie haben für “Out to Sea” einen englischen Akzent eingeübt. Kämen Sie auch mit einem französischen oder deutschen oder italienischen Akzent zurecht?
Ich glaube schon, daß ich das könnte. Ich habe mit einem deutschen Regisseur gearbeitet in “Independence Day”, und natürlich habe ich seinen Akzent die ganze Zeit nachgemacht, und ich habe mit jemandem den Akzent für “Out to Sea” studiert. Wenn ich wirklich einen Italiener oder Deutschen zu spielen hätte, würde ich daran arbeiten.
Das Interview führte Olivia Adler.
Update September 1997:
Brent Spiner steht derzeit als Republikvater John Adams in Peter Stones preisgekröntem Musical “1776″ auf der Bühne des nicht kommerziellen Roundabout Theatre am Broadway. Das Revival erwies sich als so erfolgreich, daß die Produktion nach ihrem planmäßigen Ende am 16. November ins wesentlich größere Gershwin Theatre wechseln wird. Brent Spiner sang am Sonntag, den 7. September im Rahmen des Open-Air-Konzerts “Broadway on Broadway” am Times Square vor 50.000 Zuschauern. Wir hatten Gelegenheit, ihn kurz zu sprechen:
Wie fühlt man sich, wenn man vor 50.000 Menschen singt?
Ganz ehrlich, ich hatte höllische Angst.
Wann werden Sie wieder nach Deutschland kommen?
Ich würde gerne, ich hatte sogar ein Angebot für Januar, konnte aber nicht annehmen, da ich zu der Zeit noch die Show mache. Aber ich komme bestimmt wieder.
(Das Versprechen machte er wahr, und inzwischen ist er auch im Internet aktiv, mit einer eigenen Homepage, auf der er unter anderem seine CD “Dreamland” vermarktet, und auf twitter schreibt er selbst, für mehr als eine Million Follower: twitter.com/brentspiner)
© Olivia Adler 1997
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