Wahlplakate …

… oder warum Mutter Beimer die Wahl in Bayern verlor.

Die Wahl in Bayern ist vorbei, und die CSU konnte ihren Vorsprung ausbauen. Und schon werde ich mit Anfragen bombardiert, wie das kommen konnte.

Ich habe die Antwort gefunden. Wochenlang bin ich daran vorbeigefahren.

Wahlplakate sind ein nicht zu unterschätzendes meinungsbildendes Element im Wahlkampf – sie wirken im Unterbewußtsein nach.

Von einem dieser riesigen Plakate lächelte Mutter Beimer herab, eingebettet in ein Blumenmeer, mit Weichzeichner und goldenem Sonnenlicht umschmeichelt, und ich fragte mich, was will Mutter Beimer auf einem Wahlplakat? Ach nein, es war Renate Schmidt, und sie wünschte uns einen schönen Sommer, und wir sollten doch an die Briefwahlunterlagen denken.

Ich weiß nicht, ob es daran lag, daß der Sommer lang vor der Wahl endete und das Wetter gerade am Wahlsonntag ganz besonders greislig war, aber wie bitte sollte wohl Mutter Beimers mütterlicher Charme eine Chance gegen die schwarze Hausmacht des Herrn Stoiber und markige Sprüche wie “Aufschwung statt Niedergang” haben?

Ach Renate. Ich habe mich bemüht, dieses Plakat zu vergessen, aber leider, es hat den Sommer überlebt und verfolgte mich bis in die winzige Wahlkabine. Da war mir der Smiley der Grünen mit seinen witzigen Sprüchen dann schon lieber – und erfolgreicher. “Beckstein würde auch Jesus abschieben”, diese Ermahnung begrüßte mich täglich an der Kreuzung vor der Kirche vor dem Weg in die Arbeit. Und Glaubensfragen nehmen wir im schwarzen Kontinent sehr ernst. Jesus bleibt hier!

Olivia, 14. September 1998

Tja, so ist das… da müht man sich ab mit Strategien, Interviews, Presseerklärungen, Wahlprogrammen, und dann sind es doch wieder nur die Plakate.
Herzlichst, Mephisto



Artikel bewerten:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)
Loading ... Loading ...

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte lesen Sie vor dem Kommentieren die Datenschutzerklärung.