Das Ende der Frauen-Emanzipation
Lasset das Zagen,
verbannet die Klagen …
… oder: Das Ende der Frauen-Emanzipation
Ich kann nix dafür. Ich bin eine Frau. Und zu allem Unglück bin ich auch noch eine, von der dereinst ein Mann sagte, dass sie “fehlgeleitet” sei, was konkret meint: Naiv (wie mein Geschlecht halt manchmal ist) bin ich dem Irrglauben aufgesessen, daß Gleichberechtigung etwas sein könnte, wovon Frauen und Männer gleichermaßen profitieren. Damit nicht genug – ich habe mir doch tatsächlich eingebildet, es seien ein paar Exemplare der glücklicherweise aussterbenden Gattung “homo sapiens chauviensis vulgaris malus”, die es zu bekämpfen gäbe.
Falsch. Ganz falsch. Die letzten Tage haben mich eines besseren belehrt. Ich habe erkannt: Es sind gar nicht die Männer! Es sind Frauen! Und die gehen bei ihrem Unterfangen, das Rad der Zeit zurückzudrehen, ausgesprochen raffiniert zu Werke.
Selbstverständlich kommandieren sie nicht “Mädels, husch-husch zurück an den Herd! Kinderchen kriegen, Männer verwöhnen, Socken waschen – dazu hat euch die Natur bestimmt!” Nein, weit gefehlt! Sie bemühen sich, uns (die Widerständlerinnen) durch das “gute Beispiel” zu überzeugen!
Nehmen Sie zum Beispiel Hilary Clinton. Sie dachten bisher, Amerikas First Lady (ist das nicht schon verräterisch?) sei eine Emanze? Sie erinnern sich daran, daß die Topjuristin sich sogar jahrelang weigerte, den Namen ihres Mannes zu tragen? Stimmt. Das hindert sie aber nicht daran, sich der Welt jetzt als braves Weibchen zu präsentieren. Anstatt ihren Billy in den Hintern zu treten (oder an eine noch geeignetere Stelle) und ihre Koffer zu packen, beugt sie das blonde (wen wundert’s?) Haupt und schreitet an seiner Seite in die Kirche. Wär’s denn auch noch eine katholische, hätte der Papst sicher seine Freude an ihr und sie eine Chance, dermaleinst in die Riege der Märtyrerinnen aufgenommen zu werden.
Mit dem dafür erforderlichen Blick und sogar dem richtigen Glauben kann dafür unser deutsches Paradebeispiel aufwarten: Familienministerin Claudia Nolte. Gut, sie hat im Wahlkampf gefehlt und ausgeplaudert, was ihr der große Papa (unser “Weltklasse”-Kanzler) verboten hat. Doch davon abgesehen, ist sie doch ein leuchtendes Beispiel für die Frau von heute: Sie macht immer, was ihr von den Männern anempfohlen wird. Und wo der Kanzler anzuweisen vergißt – nicht verzagen, Söhnchen fragen! Der Rat eines kleinen Manns ist immerhin besser als gar kein Rat und das Nolte-Söhnchen zeigte seine Schlauheit schon im Kindergarten, als es den anderen Kiddies erzählte, dass Mami immer mit dem Hubschrauber heimkommt.
Mein Liebling auf der Liste ist aber unbestritten Teresa Orlowski. Im Gegensatz zu den Damen Nolte und Clinton beweist sie nämlich Mut. Sie redet den Emanzen wenigstens nicht das Wort, sondern bezieht Stellung: “Eine Frau”, so sprach sie, die es ja wissen muß, “ist sowieso schwächer als ein Mann. Sie ist nicht so belastbar. Die Frau, wenn sie bei der Arbeit ist, dann hat sie Gedanken…” Was? Das sei bei ihr schwer vorstellbar? Himmel, seien Sie nicht so ungeduldig! Lesen Sie lieber weiter, denn schließlich sagte sie auch noch: “… ist der Kühlschrank voll, die Hemden gebügelt oder überhaupt was sie noch machen muß. Männer nicht. Männer konzentrieren sich nur auf ihren Job. Das können Sie nicht nachvollziehen, weil Sie kein Unternehmer sind.”
Ich gestehe, daß ich gar nicht versuche, das nachvollziehen. Wie sollte ich auch? Ich bin eine Frau. Und darum muß ich mich jetzt auf meines Herrn Hemden konzentrieren. Und in den Kühlschrank gucken, ob noch genug Bier da ist. Außerdem muß ich mir um die Zukunft keine Sorgen mehr machen – bei dieser Entwicklung kann ich darauf hoffen, dass in spätestens zehn Jahren das Denken wieder von Männern übernommen wird und ich mich nicht weiter bemühen muß.
Und was die Herren der Schöpfung angeht: Schöpft Hoffnung – und setzt den Damen Clinton, Nolte und Orlowski ein Denkmal, wenn’s dann wieder geschafft ist und Eure Frauchen brav in die Küchen zurückgekehrt sind!
© Franziska Bender, September 1998
Gemein, wie ich bin, verrate ich hier noch den Original-Link zum Orlowski-Interview – aber Vorsicht, Augenkrebsalarm…
Herzlichst, Mephisto
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