Thomas Hampson, Bariton
Craig Rutenberg, Klavier
23 März 1999, Roy Thomson Hall, Toronto
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Ein Rezital deutscher und amerikanischer Lieder hatten Bariton Thomas Hampson und Pianist Craig Rutenberg angekündigt, und sie eröffneten mit sechs Liedern aus Schuberts “Schwanengesang”. In den ersten zweien, “Atlas” und “Ihr Bild” war Thomas Hampsons Stimme noch etwas steif, sie erwärmte sich aber im “Fischermädchen”. In “Die Stadt” und “Am Meer” gelang es ihm dann schon, die neblige und düstere Atmosphäre wiederzugeben, in dem er seine Stimme leicht verschleierte. Im “Doppelgänger” schließlich betonte er den Groll und die Wehmut.
Für meinen Geschmack war seine Schubert-Interpretation etwas zu theatralisch, um ganz überzeugend zu sein – besonders im “Doppelgänger” fehlte mir das Geisterhafte. Auch haperte es ein wenig in der Partnerschaft zwischen Sänger und Pianist, die bei Schubert besonders wichtig ist. Craig Rutenbergs Begleitung war zwar gefühlvoll und sensibel, aber leider nicht mehr als das Begleitung.
Auf die Schubert-Selektion folgten Mahlers Rückert-Lieder – und hier waren sowohl Sänger als auch Pianist in ihrem Element. Bemerkenswert war die Steigerung von Anbetung der Liebe in “Liebst du um Schönheit” zur Weltentsagung in “Ich bin der Welt abhanden gekommen”, so dass sie den fünf Liedern die Koherenz eines Zyklus verlieh. Meisterhaft auch “Ich atmet’ einen Lindenduft”, in dem man den duftigen, leichten Wind beinahe physishc empfinden konnte, und selten fühlte ich mich von Weltschmerz und Ergebung so tief berührt, wie in Thomas Hampsons Interpretation von “Um Mitternacht” und “Ich bin der Welt abhanden gekommen”. Craig Rutenberg war diesmal ein richtiger Partner, er schaffte für jedes Lied die passende Atmosphäre.
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Der zweite Teil des Programms war der amerikanischen Liederkunst gewidmet, die in Thomas Hampson einer ihrer besten und enthusiastischsten Interpreten findet.
Hampson begann mit sechs Liedern von Samuel Barber, die unter seine lyrischsten und wärmsten Werke zählen. Besonders gut gefielen mir “Rain has Fallen” und “Solitary Hotel”, beide auf Texte von James Joyce. Letzteres, ein Fragment aus “Ulysses”, und mit einer tangoartigen Melodie im Klavier, machte das Publikum lächeln.
Bei den folgenden sechs Arrangements amerikanischer Volkslieder von verschiedenen amerikanischen Komponisten zeigte Thomas Hampson seine tiefe Liebe für diese Musik dadurch, dass er ihnen genau so viel Sorgfalt wie den anspruchvollsten Schubert und Mahler Lieder widmete, ohne aber an Spontanität und Lebenslust einzubüssen. Besonders hinreissend Stephen Whites Bearbeitung von “Shenandoah” und Aaron Coplands “The Boatmen’s Dance”. Den enthusiastischen Beifall des Publikums belohnten Thomas Hampson und Craig Rutenberg mit drei weiteren amerikanischen Volksliedern, darunter Aaron Coplands Version von “Long Ago”, Hampsons Lieblinglied, das er in allen seinen Konzerten singt.
Eusebius & Florestan, 23. März 1999
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