Ein reifer Herr läßt’s nochmal krachen:
Rick Wakeman’s “Return to the centre of the earth”
Emi Classics 1999, Nr. 7243 5 56763 2 0
Gesamtspielzeit: 76,51
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Narrated by Patrick Stewart
London Symphony Orchestra, conducted by David Snell
English Chamber Choir, conducted by Guy Protheroe
Keyboards: Rick Wakeman
Guitar: Fraser Thorneycroft-Smith
Bass Guitar: Phil Williams
Drums: Simon Hanson
Guest vocals:
Justin Hayward, Trevor Rabin, Ozzy Osbourne, Bonnie Tyler, Katrina Leskanich, Tony Mitchell
Wertung: 3 Mephistos
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Rick Wakeman ist wieder da – nach langer Pause stellt der ehemalige Yes-Keyboarder eine neue CD vor. Seit Wakeman sich verselbständigt hat, steht er für anspruchsvolle Projekte. Einst waren es “The six wifes of Henry VIII” und “Journey to the centre of the earth”, beide inzwischen “Klassiker” der Popmusik.
Mit “Return to the centre of the earth” hat sich Wakeman laut eigener Aussage einen “Traum” erfüllt – und wahrscheinlich vielen seiner Fans einen Wunsch, denn er zeigt darin, dass er keinesfalls einfach einen “Neuaufguß” der ersten Auflage fabriziert hat, sondern über “Journey to the centre of the earth” hinausgewachsen ist. Dabei nähert sich Wakeman allerdings immer mehr der “klassischen E-Musik” – das zeigt sich schon in der Besetzung mit Kammerchor und Sinfonieorchester und es ist unverkennbar, wenn die ersten Takte des Intros erklingen: Wakeman breitet ein großes sinfonisches Gemälde aus und er tut es mit dem Können und der erfrischenden Originalität, die schon seine früheren Stücke ausgezeichnet hat. Der Unterschied zwischen “E-” und “U-Musik” verschwimmt bei ihm, denn er kombiniert klassische Instrumentierung mit Pop-Elementen – oder ist das Pop mit klassischen Elementen?
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“Return to the centre of the earth” beginnt mit einem kurzen Intro: Chor, Gitarre und Orchester deuten das Motiv an, dann beginnt die Lesung (der Text von Rick Wakeman ist inspiriert durch Jules Vernes Roman “Reise zum Mittelpunkt der Erde”). Als Erzähler konnte Rick Wakeman den englischen Schauspieler Patrick Stewart gewinnen (hauptsächlich als “Captain Jean-Luc Picard” in Star Trek bekannt geworden), der seinen an Shakespeare trainierten Bariton wohltuend zurückhaltend einsetzt und immer der Musik unterordnet. Lesung und Musik gehen bei der Ouvertüre ineinander über – Rick Wakeman hat es durchgehend geschafft, “organische” Anschlüsse zu finden, allerdings wäre im Bereich der Lesung an einigen Stellen weniger mehr gewesen, denn hin und wieder geht Stewart’s Stimme etwas unter.
Damit ist er nicht ganz alleine – auch Ozzie Osbourne hat in “Buried Alive” ein wenig zu kämpfen und kommt nicht unbedingt dazu, mit dem Chor zu korrespondieren. Hier wäre etwas mehr Transparenz wünschenswert gewesen.
Von Wakeman-Fans teilweise kritisiert wurde der Einsatz von Bonnie Tyler. Was mich angeht: Ich mag den Kontrast zwischen ihrer “Rock-Röhre” und dem Chor und ich mag vor allem Wakeman’s sensiblen und originellen Keyboard-Einsatz. Ganz so originell ist “Mr.Slow” Tony Mitchell’s Gastauftritt leider nicht – das beziehungsweise ähnliches hat man schon öfter gehört. Dafür hat Trevor Rabin mit “Never is a long, long time” nicht nur mehr Schwung, sondern auch eine deutlich eigenständigere Nummer bekommen, die zu meinen Favoriten auf der CD gehört. Ein wenig an Blues erinnert mich dann Justin Howards “Still waters run deep” – eine richtig schöne Ballade, die allerdings ein bisschen durch den Frauenchor überladen wird. Bleibt als letzter Gaststar Katrina Leskanich mit “Ride of your life” – nicht unbedingt mein Geschmack, aber ganz sicher werden sich Liebhaber dafür finden.
Insgesamt kann man Rick Wakeman bescheinigen, mit “Return to the centre of the earth” eine der CDs geliefert zu haben, die sicher über eine Saison hinaus Bestand haben wird – wenn sie nicht gar Chancen hat, sich zu einem “Klassiker” zu entwickeln. Mir hat “Return to the centre of the earth” ausgesprochen Spaß gemacht und ich empfehle sie jedem, der gerne ein wenig auf der Grenze zwischen Klassik und Pop unterwegs ist.
Sycorax, 24. April 1999
Und so werten wir:
0 Mephistos: Diese CD ist Bastelmaterial. Sobald wir einmal etwas mehr Zeit haben, werden Sie die Scheibe auf der (noch zu begründenden) Mephisto-Bastelseite wiederfinden – schauen Sie dann unter “Wir schnitzen uns einen wasserfesten Bierdeckel” oder “High-Tech-Unterlegscheiben für wackelnde Tische” nach.
1 Mephisto: Ja, sicher, es gibt bestimmt Leute, die diese CD mögen (es soll ja auch Leute geben, die freiwillig CDs von den “Lustlosen Oberländern” kaufen). Dumm ist nur, dass wir niemand kennen, dem wir sie schenken könnten.
2 Mephistos: Doch, die kann man mal wieder hören und auch jemand schenken, den man mag.
3 Mephistos: Rundrum gelungen und erfreulich, eine CD, die man gerne im Schrank und noch lieber in der Anlage hat.
4 Mephistos: Das wäre eine von den dreien, die wir auf die berühmte einsame Insel mitnehmen würden.
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