Homo homini lupus est:
“8 mm”

Ein Film von Joel Schumacher

Darsteller: Nicolas Cage u. a.

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Wertung: 4 Finger

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Der Film erzählt die Geschichte des kleinen Privatdetektivs Tom Welles (Nicolas Cage), dessen Hauptsorge am Anfang des Films darin besteht, seine Frau nicht merken zu lassen, daß er heimlich raucht und sich mit ihr und dem niedlichen Baby ein behagliches Leben im Häuschen auf dem Lande zu ermöglichen – aber dazu müssen erstmal die Hypotheken abbezahlt werden.

Und so kann er nicht widerstehen, als eine reiche Witwe ihn beauftragt, Nachforschungen über einen 8 mm Film aus dem Nachlaß ihres Mannes anzustellen, der die Ermordung eines jungen Mädchens in einer S/M-Szenerie zeigt. Handelt es sich dabei um eins der berüchtigten “Snuff”-Movies, in denen Menschen vor laufender Kamera umgebracht werden?

Damit beginnt Welles’ Trip in die Unterwelt, die Wandlung vom Paulus zum Saulus, der schließlich die gleichen gewaltsamen Mittel anwendet wie diejenigen, die er verfolgt und am Ende doch reumütig und ungestraft in die Arme der liebenden Familie zurückkehrt.

Daß Cage in der Rolle des Welles in diesem Alptraum aus Menschenverachtung und Gewalt aus dem Heldenklischee ausbricht und der Versuchung, Gleiches mit Gleichem heimzuzahlen, nach langem Ringen endlich doch erliegt, macht ihn glaubwürdig. Auch seine ruhige, nüchterne Film-Ehefrau hebt sich wohltuend von den üblichen Superblondies oder Latino-Schönheiten ab, die Cage sonst gern als Partnerin an die Seite gestellt werden. Welles bleibt bis zum Schluß ein Anti-Held, der die wesentlichen Entscheidungen über sein Leben anderen überläßt – so holt er sich auch erst die “Erlaubnis” der Mutter des Opfers ein, bevor er in Selbstjustiz den Täter hinrichtet.

Der ganze Film ertrinkt in bläulich-düsterem Licht, rasche Kameraschwenks vermitteln dem Betrachter nur einen flüchtigen Eindruck der Szenen, die dem Detektiv solche Alpträume bereiten (nichts für Voyeure!), und das eigentlich Schreckliche sind die Ruhe und Gleichgültigkeit, mit der “Machine”, der lederbewehrte Hüne mit dem sanften bebrillten Jungengesicht oder auch der reiche Auftraggeber ihrem mörderischen Geschäft nachgehen, ohne psychologischen Hintergrund, ohne auch nur den Ansatz einer Rechtfertigung, einfach nur, weil sie es können, weil sie dazu in der Lage sind.

Ungewöhnlich: arabisch angehauchte Filmmusik mit dumpfen Beats, perfekte Begleitung zu einem temporeichen Film mit immer neuen Wendungen, der uns die obligatorische Verfolgungsjagd erfreulicherweise erspart und bis zum Schluß noch Überraschungen bietet.

Der Film bekommt von mir 4 Finger – nicht nur, weil ich ein erklärter Fan von Nicolas Cage bin und mir einen Film mit ihm auch dann noch ansehen würde, wenn er nichts weiter zu tun hätte, als gut auszusehen und melancholisch dreinzuschauen (was er besonders gut kann), sondern weil er zum Nachdenken anregt und einige Klischees mutig über Bord wirft. Willkommen im wirklichen Leben.

Olivia, 27. April 1999

Und so werten wir:

1 Finger: Für dieses Verbrechen an der Menschheit hat die gesamte Filmcrew nur eines verdient: Den Effe. SCHUND!

2 Finger: Den Film kann man genießen. Ja – Ehrlich! Man kann drüber lachen. Ganz laut. Natürlich sollte man in der richtigen positiven Grundstimmung sein, bevor man die Tüte raucht. Denn dieser Film ist nur auf Drogen zu ertragen.

3 Finger: Da riskiere ich einen Blick. EINEN. Denn mit zwei Fingern halte ich mir die Ohren und mit einem ein Auge zu.

4 Finger: Zwei auf jeder Seite. Damit muß ich mich ab und zu mal festhalten. Aber sonst geht der Film eigentlich.

5 Finger: Geballt zur Siegesfaust! Denn dieser Film ist einfach Klasse und empfehlenswert. Hollywood (oder Geiselgasteig bzw. Little Boredom/UK oder wo immer dieser Film entstanden ist), Du hast mich ausnahmsweise mal versöhnt.



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