Mephistos Opernführer:
Parsifal – oder das Problem mit dem Speer
Parsifal – Bühneweihefestspiel mit Text und Musik von Richard Wagner (ja, selbiger, der der Welt nicht nur die Bayreuther Festspiele, sondern auch die Wagnerianer bescherte).
Personen:
Amfortas – Bariton
Titurel – Baß
Parsifal – Tenor
Gurnemanz – Baß
Klingsor – Baß
Kundry – Sopran
Gralsritter (die älteren Herren aus dem Chor), Knappen (die jüngeren, noch unbeleibten Herren aus dem Chor), Klingsors Zaubermädchen (die hoffentlich jüngeren, unbeleibten Damen aus dem Chor).
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Lieblingszitat zum Parsifal:
“The third act – when he has to stand motionless on stage for half an hour, holding the f…ing spear raised at 45 degrees!”
Antwort eines jugendlichen Heldentenors auf Eusebius’ Frage, was denn der schwierigste Aspekt am Parsifal sei.
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1. Akt: Bei König Amfortas, seines Zeichens Obermops der Gralritter, ist alles schiefgelaufen. Sein Papi hat ihm dermaleinst nicht nur den heiligen Gral und den Speer, mit dem Christus verwundet worden ist, vererbt, sondern außerdem eine Burg, eine Reihe von Rittern und seinen Lieblingsfeind Klingsor. Letzterer hatte sich mal um die Aufnahme in den Kreis der Ritter beworben, aber anscheinend hatte Amfortas wackerer Ahne keine Planstelle frei, jedenfalls wies er Klingsor ab. Darum hat der unterhalb der Gralsburg einen Lustgarten aufgemacht hat, in dem seitdem jede Menge netter und williger Mädels darauf warten, den einen oder anderen Gralsritter verführen zu dürfen.
Der junge Amfortas wollte diesen Zaubergarten schließen. Dabei fiel er aber Kundry, der Vorsteherin des Etablissements, in die kundigen Finger. Während sie mit ihm zugange war, klaute Klingsor den Speer und piekste ihn in Amfortas (nein, wir wollen die Symbolik dieser Handlung hier nicht diskutieren. Und wehe, irgendjemand murmelt was von wegen “Penetration – Herrschaftsanspruch – da sieht man es mal wieder!”).
Seitdem siecht der dahin, wann immer er den heiligen Gral enthüllt, wird ihm vollends übel (vielleicht hätte man das Ding doch mal abstauben sollen?). Rettung vor dem Tod kann ihm laut einer Prophezeihung nur ein “aus Mitleid wissender, reiner Tor” bringen. Selbiger taucht dann auch prompt auf, heißt Parsifal, kann nur mit Pfeil und Bogen schießen und hat von nichts eine Ahnung, weswegen ihn einer der Gefolgsleute des Königs dann auch prompt wieder aus Gralsburg scheucht.
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2. Akt: Klingsor sitzt im Zaubergarten vor dem Zauberspiegel und erkennt, daß der “aus Mitleid wissende, reine Tor” Parsifal im Anmarsch ist. Mangels neuerer Einfälle setzt er darauf, daß Kundry und ihre Blumenmädchen ihn schon einwickeln werden, was aber in diesem Fall schiefgeht: Parsifal läßt sich nicht verführen (wenn man bedenkt, wie lange Amfortas schon dahinsiecht und dann rechnet, wie alt Kundry sein muß…). Die darob frustrierte Kundry ruft nach Klingsor, der wirft den Speer nach Parsifal, doch siehe, das gute Stück bleibt über seinem Kopf in der Luft stehen. Parsifal ergreift den Speer, schlägt mit ihm ein Kreuz – und bums, ist der Zaubergarten weg, Klingsor, Kundry & Co. finden sich in einer öden Wüste wieder, Kundry sinkt schreiend zu Boden, worauf Parsifal sie mit den prophetischen Worten “Du weißt, wo einzig du mich wiedersiehst!” liegenläßt (ein Gentleman ist er nicht, dieser Parsifal).
3. Akt: Kundry hat’s anscheinend nicht gewußt, jedenfalls verdingt sie sich als Haushälterin bei einem reichlich angealterten Ritter, bis an einem Karfreitag der gute Parsifal mal wieder des Weges kommt. Wo er sich mittlerweile rumgetrieben hat, verrät Herr Wagner leider nicht, aber auf jeden Fall macht Parsifal sich gleich mächtig ans Werk: Er läßt sich von Kundry die Füße waschen und salben, marschiert sodann in die Burg und berührt Amfortas mit dem berühmten Speer, worauf der sofort gesundet. Anschließend enthüllt Parsifal den Schrein mit dem Gral und alle sind zufrieden und glücklich.
© Sibylle Luise Binder (Sycorax) 1999
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