Vornehm getrennt

Ein Hoch auf die sogenannten dummen Gedanken!

Unsinn? Ich will Ihnen mal was sagen: Das klitzekleinste Positive an einem dummen Gedanken beweist, daß er nicht ganz so dumm gewesen sein kann, oder? Doch, doch – dummen Gedanken kann man immer auch eine positive Seite abgewinnen. Glauben Sie mir.

Wenn nicht, sind Sie ein Herkules, dumm oder wahrscheinlich nur neidisch. Weil Sie Ihren Gattenraben noch haben! Müssen mit ihm Zimmer, Fernseher und sonst was teilen und auf gute Ehe machen. Ich, meine Liebe, nicht mehr! Denn ich bin jetzt Witwe! Witwe. Und zwar `ne lustige! Verstehen Sie?

Dabei sag’ ich Ihnen klipp und klar: Ich bin keine Schriftstellerin, die sich Männermarotten aus den Fingern saugt, weil sie eine Eheklamotte zum Besten geben will. Was ich hier erzähle, sind meine ureigensten persönlichen Erlebnisse. Sollten Sie den Ton monieren, dann beweist dies, daß der Herausgeber eine Klamotte daraus gemacht hat – nicht ich. Prinzipiell ist mir das zwar egal, aber ich bin eine Frau mit Hut. Und die sind bekanntlich ehrlich.

Also: Max, so hießen er und sein Hund, war einfach ein – ein typischer Max eben. Jahrgang ‘28, Fisch, Volkssturmüberlebender, später altkluger Büroknecht und, milde ausgedrückt, im eigentlichen Sinne zeugungsschwach. Faszinierend an ihm war höchstens sein skurriler Humor: so zum Beispiel überraschte er mich zu meinem Fünfzigsten mit einem LachsröllchenFrühstück, das mit billigem TschiboGoldschmuck garniert war! Mehr hatte er nicht zu bieten. Aber: Max besaß ein gutes Händchen für’s Sparen und Anlegen – deswegen der kluge Gedanke, daß ich mich von ihm, ich sag’s mal vornehm, rechtzeitig getrennt habe. Kinder haben wir ja keine.

Und Max zwo? War ein rammeliger, permanent aus dem Maul stinkender Wolfsspitz. Eines Tages lief er auf dem Parkplatz der Brenner-Autobahn vor einen Tanklaster. Für mich ein Fest, Max eins hingegeben versaute dies den Urlaub. Wieder zu Hause begann er rapide zu altern, Anlaß für die Firma, ihn in Rente zu schicken. Mit 62 und kleiner Abfindung wurde er mit Nachdruck in den Ruhestand gelobt.

Da begann es.

Harmlos zunächst. Max fing an, sich für’s Einkaufen zu interessieren, schleppte die Wäsche auf den Dachboden. Das war anfangs recht angenehm. Nie zuvor war der Kühlschrank so vollgestopft – nie zuvor hab’ ich dann allerdings auch soviel weggeschmissen. Und die Waschmaschine: die lief auf einmal auch jeden zweiten Tag.

Dann wurde es allmählich ungemütlicher. Max lieh sich Pornos aus. Mit der Konsequenz, daß er immer häufiger wollte, je langsamer er kam. Das war furchtbar! Kann ich Ihnen sagen! Seine neu erwachte Kindlichkeit, Streichholzschiffchen zu bauen und mit ihnen die Wohnung zu schmücken nahm sich dagegen richtig liebenswürdig aus. Obwohl: Stellen Sie sich das mal alles ganz ausführlich vor: Pensionär auf Stuhl. Uhu auf dem Eßtisch. Zeitungspapier überall. Alle Küchenmesser weg. Holzschnitze tief im Berber-Teppich.

Und nun sage ich Ihnen: Max wurde süchtig. Ich hab’ ihn sogar mehrfach dabei erwischt, wie er Uhuköttelchen gekaut hat.

In der Zeit passierte die Geschichte nach dem Frisör. Sie gehörte zu den Schlüsselerlebnissen, die in mir besagten dummen Gedanken reifen ließ, mich von Max – ich sag’s wieder vornehm – zu trennen. Das kam so: Beim Frisör traf ich eine ehemalige Arbeitskollegin: Gerdi. Unter der Trockenhaube kamen wir so richtig schön ins Schwatzen, wobei es – rückblickend gesehen – Max’ Pech war, daß ich Gerdi spontan zum Kaffee einlud. Man sagt ja, daß die spontanen Entschlüsse das Salz im Leben seien, und so ähnlich hatte ich damals wohl gefühlt. Eigentlich hatte ich mit Gerdi nämlich nie viel am Hut gehabt. Sie war eine von den Frauen, die, so drückte Max sich aus, auf der gleichen Stufe stünden wie die großen weißen Weihnachtsvögel. Was ihn nicht daran gehindert hat, sich Gerdi als nimmersatte Akteuse widerlicher Pornoszenen vorzustellen. Auf sieben eng vollgekritzelten NotizbuchSeiten hat er dies dokumentiert – gekonnt, wirklich. Gefunden hab` ich die Papierchen, na, wo wohl? Richtig, im Bauch eines Streichholzschiffes, eingetütet in ein schwarzes Noppencondom. Aber das war viel später. Nach der Trennung.

Wie finden Sie das?

Aber ich will nicht abschweifen. Also damals, nach dem Frisör: Schon im Treppenhaus empfing uns der sattsam vertraute UhuDuft. Ich murmelte ein paar Vorwarnungen, Gerdi winkte nur ab. Max’ Hobby, Hobby nannte sie es allen Ernstes, wäre harmlos. Viel schlimmer sei Richards – ihr Mann – Zusammengeklebe alter Urlaubsfilme. Jener Super Acht-Dinger mit den dreiminütigen Wackelszenen drauf, die ihnen immer das Urlaubsgeld aufgefressen hätten. Ich könne mich doch sicher noch an den Abend erinnern, wo Richard mich und Max eingeladen hatte und wir Filme gucken mußten: Zwanzig, dreißig von diesen unscharfen Dingern über Ischia! Wobei noch einige Filmchen während der Vorstellung rissen oder im Projektor verschmorten!

Stimmt, da konnte ich mich dran erinnern. Es war zum Wahnsinnigwerden! Max und mir war schlecht danach. Von den Wackelbildern.

Ich nickte mitfühlend, als Gerdi ausmalte, wie Richard im Wohnzimmer hunderte Filmschnipsel über Couch, Lampen und Fußboden verteilte und alle Viertelstunde hysterisch aufschrie, sie würde mit dem dauernden Türengeöffne und Gelüfte alles durcheinanderbringen.

»Und das trotz meiner Kopfschmerzen. Ich kann dir sagen: diesen süßlichen Filmkittgestank vergesse ich mein Lebtag nicht mehr. Der Geruch von diesem Schweinkram hat die Wohnung porentief vergiftet! Dagegen ist Uhu Parfum.«

»Das dafür süchtig macht. Guck dir doch die StraßenKinder in Rußland und Rumänien an!«

Gerdi rümpfte beleidigt die Nase. Sie mußte einfach immer das letzte Wort haben.

»Da sind wir«, rief ich in den Flur und bekämpfte die schlagartig einsetzende Übelkeit, in dem ich mir ein Taschentuch mit Kölnisch Wasser vor die Nase hielt. »Du bringst uns gleich alle um, wenn du nicht lüftest! Hör für heute auf, bitte! Gerdi ist auf einen Kaffee gekommen. Tu mir den Gefallen.«

Gerdi war schon in die Küche gerannt und hatte das Fenster aufgerissen. Trotzdem kicherte sie, die blöde Gans. Was das betraf, hatte Max leider recht. Gerdi taugte mit ihren Wulstlippen, engen Lederhosen und dekolletierten Pullovern tatsächlich nur für bestimmte Männerphantasien

Natürlich drang nicht das leiseste Konversationsgemurmel aus dem Wohnzimmer. Für Männer von Maxens Schlag selbstverständlich, trotzdem weiß ich bis heute nicht, warum ich nicht sofort richtig laut losgeschimpft habe. Wahrscheinlich bloß, weil das Mineralwasser vom Frisör mich auf die Toilette getrieben hatte.

Max’ Pech nun wurde es, daß Gerdi erstens eins von diesen überall klebrigen Streichholzbauten bewundernd anguckte, sie dämlich beschnupperte und zweitens , nein, dies muß ich jetzt genau erzählen. Also: Ich kam von der Toilette, und welches Bild zauberte sich mir vor Augen? Gerdi, diese verganste Hardcore-Queen stand – dichter ging’s nimmer – neben Max, über sein neuestes Spielzeug gebeugt, ihm direkt im Licht! Wohlstgelitten, weil ihr Kropftaubenbusen seine Backe streichelte!

»Bist du gekommen, um mitzubasteln oder willst du Kaffee und Cognac?« raunzte ich sie an. »Ich kann ja zu Richard gehen und ihm seinen Schnipselkram sortieren helfen, wenn dir das lieber ist.« Gerdi schreckte vor diesem Angriff nur wenig zurück. Wenige Minuten hatten gereicht, sie an Uhu und Zündhölzer zu verlieren. Selbstvergessen zwirbelte sie einen Mast mit zierlicher Takelage zwischen ihren Fingern.

»Was also?« stieß ich hervor. »Pur oder mit Kaffee? Dallmayr Promo.

Noch heute ärgere ich mich, dusselig wie Addi Darboven, Gerdi die Kaffeesorte ins Gesicht posaunt zu haben.

Und sie?

Lehnte mit leutseliger Miene die Takelage mit all ihren Schnürchen und Stoffetzchen an die brennende Eßtischkerze. Sie war eben einfach eine fette, kropftaubenbusige, dumme Gans. Aber erst einmal ließ sich seine Bastelheiligkeit Max vernehmen.

»Was bist du bloß wieder so gereizt?« nuschelte er ohne aufzublicken, den Mund voller Streichhölzer, die Tube Uhu in der Hand. »Warst doch nun beim Frisör.« Und dann folgte dieser irrwitzige Satz, den er absolut ernst gemeint hatte. In innigem TrostTon sagte er: »Gerdi macht schon nichts kaputt.«

»Wirklich, Marga«, entblödete die sich tatsächlich. »Ist doch erstaunlich, was man so alles mit Streichhölzern machen kann. Und wieviel billiger das ist. Du weißt schon. Dafür mach’ ich auch den Kaffee.«

Das war der Anfang. Der Moment der ersten geistigen Unterschrift, mich von Max loszusagen. Ich giftete in die Stichflamme, takelte sein Kindsgehabe so gehässig wie möglich ab und wuchs schließlich zur Hysterikerin aus, indem ich seine Grunzlaute und das absurde hündische Geschnüffel bei gelungenen Klebungen nachäffte. Ich drohte, all seine Streichholzausgeburten mit dem Hammer zu vernichten, falls er nicht sofort und ein für allemal mit diesem Wahnsinn aufhören würde, überbrüllte Gerdis Feuergeschrei und sein provozierendes »Oh Gott, oh Gott, oh Gott!« Dann zerschlug ich tatsächlich den neuen Schiffsrumpf, denn Max war so instinktlos, den Tischbrand mit den morgens gekauften Edelrosen auszuschlagen.

Für Außenstehende war es der reine Slapstick. Gerdi bewies ihre gänsische Blödheit, indem sie mit Port aus der Karaffe löschte – der Berber war hin.

So, nun will ich Ihnen was sagen: Wenn Sie meinen, Max sei an allem doch eigentlich ziemlich unschuldig gewesen, sage ich darauf nur: Er hat sich bitter revanchiert. Zwar nicht mit Eierschalen, um damit den Boden unserer Topfpflanzen zu verbessern. Auch nicht, indem er aus dem gleichen Grund vorübergehend Finger und Zehennägel in leeren Streichholzschachteln sammelte – nein, viel subtiler, unerbittlicher:

Max rächte sich mit Musik.

Mit Wagner.

Es war mir immer häufiger unangenehm aufgefallen, daß Max meinte, seine Uhuräusche mit Wagner veredeln zu müssen, anders gesprochen, daß diese monströse Musik seine Basteleien begleitete. Anfangs war es mehr ein Scherz: Max führte aus, daß der »Fliegende Holländer« die ideale Inspirationsmusik sei, wenn man Streichholzschiffchen baue und das »RheingoldVorspiel« seinen Ehrgeiz schon in seiner Kindheit beflügelt hätte. Beides war natürlich völliger Unsinn. Bis kurz vor seiner Pensionierung hatte Max von Wagner nicht mehr gekannt als ich – ich höre gelegentlich Mozart, Vivaldi und sowas , denn wir beide interessierten uns nur wenig für die Oper. Aber das dämliche Abschiedsgeschenk seiner dussligen Kollegen war nun einmal eine RheingoldKarte unserer Oper und Wagners Ring auf CD gewesen – die CDs hatten die Fieslinge ihm nur gekauft, damit er wisse, wie alles ausgehe – doch Max war darüber hoch erfreut gewesen. Als die Vorstellung zu Ende war, hatte er sich nämlich bereits an der Musik angesteckt.

Gleich in der ersten Woche nach seiner Pensionierung kaufte er sich einen Stereo-Turm plus Kopfhörer und hörte in den nächsten Tagen zweimal den Ring durch. Herrliche Tage, in denen ich allein in Ruhe essen und fernsehen konnte.

Und dann?

Er schloß alles wieder in den Schrank. Ich war beinahe enttäuscht – weil, ein Schuß Kultur hätte Max nicht geschadet. Es war mir nämlich immer ein bißchen peinlich, daß er in meiner Verwandtschaft, was das Musische anbelangte, als unterbelichteter VersicherungsMensch abgestempelt war. Aber gut Ding will eben Weile haben, sein siebzehntes Streichholzschiffchen umwehte im Stadium der Vollendung zunächst noch zart die Ballade Sentas, im Finalstadium des Bastelwahns allerdings ließ Siegfrieds Tod die Gläser in der Vitrine scheppern. Wirklich! Das ist nicht geflunkert!

Doch ich will hübsch der Reihe nach erzählen.

»Weißt du, was Wagners Leitspruch gewesen ist?« fragte er eines Morgens – es war ein paar Wochen nach dem erwähnten Nachmittag beim Frisör – und legte dabei den »Walkürenritt« auf. »Er hat gesagt: Die Welt ist mir schuldig, was ich noch brauche. Genial, was?«

»Das ist Größenwahn, mein Lieber«, antwortete ich. »Doch wenn du daraus abzuleiten gedenkst, in Zukunft allein die Lautstärke regieren zu lassen, sitzen wir bald auf der Straße. Bereits zweimal hat man mich freundlich gebeten, dir auszurichten, du mögest dir deinen herzallerliebsten Komponisten doch bitteschön unter dem Kopfhörer zumuten.«

Wissen Sie, was seine Antwort war?

Er drehte den Lautstärkeregler hoch. Wortlos. Ich flüchtete in den Stadtpark. Als ich wiederkam, war es verdächtig still. Max war nicht zu Hause. Die Wohnung war gelüftet, der Berber gesaugt, der ganze Bastelkram aufgeräumt. Nur auf dem Eßtisch dünstete eine Schiffsschraube vor sich hin. Mir wurde unheimlich. Die Schraube hatte den Umfang eines Kindskopfes. Offensichtlich war Max endgültig verrückt geworden und machte jetzt Anläufe, der Welt ein Opus magnum der Streichholzkunst zu überlassen. Vielleicht wollte er einen Platz im Guiness-Buch der Rekorde, auf jeden Fall: ich saß steif auf dem Sofa und wartete, versuchte, mich in das Unvermeidliche einzustimmen. Dabei ging die Phantasie mit mir durch.

Ich stellte mir vor, wie Max mit wirrem Resthaar im Morgenmantel ins Zimmer trat und enthusiastisch lächelte.

»Liebling«, hörte ich ihn sagen, »Schatzmaus, stell dir vor – es ist endlich vorbei. Du brauchst dir nie wieder Sorgen machen.«

Triumphierend präsentierte er mir einen Karton, den er in den Armen wiegte wie einen Säugling. Ich sah, wie er tänzelnd auf mich zukam und dann vor mir in die Knie ging. Über den Kopf würde ich ihm fahren, seinen heißen, fleckigen Schädel streicheln, den er wohlig in meinen Schoß gebettet hatte und auf die erstickten glücklichen Laute hören, die mich durchpulsten wie warme Wellen in einer Badewanne.

»Ja, ja! Du Guter«, redete ich dann irgendwann sanft und ein wenig erregt. »Ja, alles wird jetzt anders werden. Endlich. Denn du hast es wirklich geschafft, Max. Ganz allein. Oh Max, daß du mich so liebhast.«

»Ja!« Seine Tränen kullerten mir über die Strumpfhose. »Es war bestimmt ein Wunder. Und, und – ganz bestimmt – ein Engel hat mich an die Hand genommen. Neunundneunzig Kartons. Marga, verstehst du es auch wirklich? Neunundneunzig Kartons sind noch im Auto. Es ist ganz voll. Und du, nur du allein darfst mir tragen helfen. Ist das nicht wunderbar?«

»Oh Liebling! Max! Max! Wirklich? Du hast hundert von diesen Kartons? Und in jedem sind noch einmal zehn kleinere drin, mit zwanzig Schächtelchen?«

»Ja, Marga! Ja!«

Ich fühlte deutlich Max´ mir in den Schenkel gestammelten Enthusiasmus, die fiebrige Hitze seines Wahns. Mir wurde selbst heiß, allerdings nicht vor Begeisterung, sondern vor Grauen.

»Marga, Liebling: Wir haben eine Million Streichhölzer! Für nur dreihundertdreiunddreißig Mark! Nie wieder brauche ich Angst haben, daß ein Krieg mir die Hölzchen wegnehmen könnte. Und damit kann ich endlich anfangen, für den Uhu zu sparen.«

Daran schloß sich die letzte Aufgipfelung des Wahnsinns: Max würde mich packen und vom Sofa zerren, meinen Leib mit Küssen bedecken, dann den Karton aufreißen und alle Streichhölzer über mich auskippen. Wobei die SchlußTakte dieses Finales in einer Uhu-Orgie gipfelten: Tube für Tube würde er auf mir ausquetschen, bis zum Zusammenbruch. Das endgültig letzte wäre dann meine und seine Verwandlung in ein Streichholz: aufeinandergepreßt verklebten wir zu einer Riesenplanke eines gigantischen Streichholzschiffchens.

Ich gebe zu, damals waren meine Befürchtungen in einen Traum übergegangen, denn als Max tatsächlich ins Zimmer kam, war er gewohnt sorgfältig gekleidet. Zuerst sah ich ihn entgeistert an, dann, nach und nach, durchströmte mich Erleichterung.

Er wirkte ungemein zufrieden. In der einen Hand hielt er einen Stoß Fotokopien, in der anderen eine Plastiktüte, aus der ein italienischer Rotwein hervorlugte. Ja, und noch was: Max summte. Unzusammenhängende Melodieungetüme, die mir aber irgendwie bekannt vorkamen.

»Wir feiern heute, Marga!«, unterbrach er sich und zog die Flasche aus der Plastikktüte. Ein 83er Barolo, vom Feinkostgeschäft um die Ecke. »Mit Olivas, gute pane e pomodore in olio. Con prosciutto di San Daniele e formaggio Talegio e Bel paese. Buon appetito. Viva caro sassone!«

»Alles in Ordnung, Max?« fragte ich etwas zittrig. »Oder haben wir im Lotto gewonnen?«

Die Frage war berechtigt. Denn Max brachte zwar gelegentlich solch Leckereien mit, aber ich konnte mich nicht entsinnen, ihn je so überdreht erlebt zu haben. Italienisch stammelte er nur in Limone oder den Cinque Terre. Dazu dieses operettenhafte Gebaren. Und dieses ominöse »Viva caro sassone«. Es hieß: es lebe der edle Sachse. Aber wer von uns beiden war Sachse? Niemand. Max war verrückt geworden. Ja, ganz einfach verrückt. Ich würde jetzt wirklich nett sein müssen – meine Vision war grausam wahr geworden!

»No, no, no, no, no«, antwortete er im Staccato. «Ich tu lüften dir große Geheimnis.« Er fixierte mich, blätterte in den Fotokopien, suchte, sah mich wieder an, holte Luft und – stellen Sie sich dies mal vor – summte. Summte, so inbrünstig es nur irgend ging. Ließ seinen Bariton zur Hochform auflaufen, als ob er monatelang für einen Kuriositätenwettstreit geübt hätte. Dabei – eigentlich klang es recht gut. Die Töne stimmten, das Timbre hatte Charakter. Noch nie hatte ich die bekannte Triumphmarsch-Melodie aus dem Tannhäuser, genauer, das GnadenheilMotiv, wie er mir später anhand der Fotokopien demonstrierte, so gut gesummt gehört. Kein Zweifel: Max war durchgeknallt, aber mit einer Portion Stil. Da auch begriff ich: Der »caro sassone« war niemand anders als Wagner!

Und für mich, was bedeutete dies nun? Ganz einfach: Marga, reiß dich zusammen und sei vorsichtig. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das Furchterregende war ja nicht das Gesummse, sondern das Gemime. Meines Mäxchens Palette theatralischer Gesichtswelten war beängstigend, ein verschüttetes Talent hatte sich mit Urgewalt Bahn gebrochen. Sein in langen Büro-Jahren unterdrücktes Pathos begehrte auf und führte mir vor Augen, wie sein Biedergeist nun über das Maß zu gehen Miene machte.

»Bravo, bravissimo«, mimte ich mit feuchten Augen die begeisterte Ehefrau, was den Trovatore aber nur noch mehr anzufeuern schien. Denn während er den Tannhäuser summte, fand sein Genie in den Fotokopien Neues und eine Zehnminutenvorstellung des Sehnsuchtsmotivs aus Tristan schloß sich an. Danach war Max erschöpft. Er sackte auf einen Stuhl, griff sich die Streichholzschraube und sagte glücklich:

»Herrlich, nicht? So was muß man doch feiern. Ich werd’s dir deuten, Marga. Der Inbrunst heil´ges Streben dem Herzen Wonne wähnt.«

»Maax!« Und dann, ganz kleinlaut: »Die Streichholzschraube und …« ich zögerte, wurde immer verzagter, während seine Augen weiter durch die Kopien irrten, »… dein, dein Gesumms – ich habe Angst Max.«

»Vor Wagner? Ausgeschlossen. Schau her, paß auf!« Er wirkte so normal. Aber dann der Schock, als er wieder zu summen begann: Können Sie sich das vorstellen? Meine Angst? »Das ist das Gnadenheil-Motiv aus Tannhäuser, Marga. Und es symbolisiert, daß dir nach langer Prüfung die Gnade widerfährt, daß ich das letzte Streichholzschiff bauen werde. Es wird ein mächtiges Schiff werden. Und soll Zeugnis ablegen von Ausdauer und Fleiß, der mich und dich in den letzten Monaten geeint hat. Das Leidens und Sehnsuchtsmotiv aus dem Tristan schließlich, das betrifft dich, der du um Erlösung von Uhu und Streichhölzern wehklagst.«

Ich konnte Max in seiner Verrücktheit durchaus folgen – aber das Herz rutschte mir ins Bodenlose. In dem Moment erkannte ich, daß die nächsten Jahre mich die letzten Reserven kosten würden, wenn ich nicht eine Notbremse fände. Fühlen Sie doch einmal mit mir: Ihr Mann eröffnet Ihnen, daß Sie in den nächsten Jahren Zweisamkeit den Irrwitz als ganz normalen Begleiter anzusehen hätten.

Womit hatte ich das verdient? Katholisch erzogen, bin ich eine im Großen und Ganzen ehrbare Ehefrau. Warum geschah dies mir? Und nicht einer anderen? Warum nicht Gerdi?

»Ach ja«, erwiderte ich schwach. »Mach die Flasche auf, ich decke den Tisch.«

Die Henkersmahlzeit, dachte ich im stillen. Vom Henker höchstpersönlich mitgebracht. Ich schielte zu Max, der mich von oben herab anblickte und zufrieden nickte. Tatsächlich entkorkte er die Flasche, und ich würde lügen, behauptete ich, es hätte mir nicht geschmeckt. Und Max ließ während des Essens auch allen Wahnsinn fahren. Er konversierte wie früher, eröffnete mir dann aber vor dem Dessert – Tiramisu , daß ich der Erlösung nur teilhaftig werden würde, wenn ich morgen am Feuersee den Stapelläufen seiner bislang gebastelten opera beiwohnte. Dann summte er und mimte dazu irgendetwas zwischen Bitte und Verklärung.

Völlig verzweifelt verabschiedete ich mich ins Bett und weinte. Früh morgens schreckte ich hoch und lauschte auf das Schnarchen neben mir. Es klang wie immer, und die Sonne kündigte einen wunderschönen Samstag an.

Ein klein wenig Gerechtigkeit wurde mir gegönnt. Und die Genugtuung half mir sogar über die Scham hinweg, als situierte Frau dieser kindischen Veranstaltung die Ehre erweisen zu müssen.

Auf einer Betontreppe, eingeengt von Modellbauschiffen, Fernsteuerungen, FastFoodSchächtelchen und ColaDosen wurde ich Zeuge, wie Max ein Desaster erlebte. Wuselige Knaben und pickelherige Pubertierende mit Hautgout lachten über den Narren mit seinen Streichholzschiffen, die, bis auf eins, nach wenigen Sekunden absoffen. Dazwischen ein paar mitleidige Lächler von Vatis und Muttis, die ihrem vierjährigen Nachwuchs halfen, poppige Plastikungetüme zu Wasser zu lassen. Die ambitionierten HobbyKapitäne mit ihren elektronischen Bauchläden und aufdringlichen Antennen dran, fühlten sich sogar diskreditiert. Sie stierten abwechselnd auf Max und ihre Geschwader, die die Enteninsel umsirrten. Einer jagte seine schnittige Jacht so dicht an Max’ einziges vor sich hindümpelndes Schiff vorbei, daß es Wasser schluckte – das Zeichen zum Angriff: Ein fetter Stoppelkopf funkte achtern und vertat sich absichtlich an seinem Bauchladen. Aus einer Messingkanone böllerte eine Bleikugelladung, die Max Dreimaster endgültig auf den Entenschit geschwärzten Betongrund sinken ließ. Die Freunde johlten, der Stoppelkopf tat verlegen. Aber selbst Max mußte einsehen, daß sein Schiff nicht ehrenvoll versenkt worden war, sondern nur den Kampf gegen das Wasser verloren hatte.

»Noch ein bißchen am Ballastausgleich arbeiten«, war der gönnerhafte Rat eines Ambitionierten, als Max in vier Plastiktüten seine Basteleien beerdigte. »Dann klappt das irgendwann. Für den Rumpf würde ich da aus strömungstechnischen Gründen BalsaHolz nehmen. Als Ballast reicht dann Sand.«

Wissen Sie, ich mußte das so genau erzählen, weil es das letzte Mal war, daß ich mich in Schadenfreude ergehen konnte. Max zog zwar die einzig mögliche Konsequenz und beließ das Schiffsschraubenmonster als Objektkunst, aber die Kompensation hieß Wagner. Wagner zwischen Lautstärke und Kopfhörer. Natürlich hatte kein Nachbar den Mumm, Max zur Rede zu stellen: man ließ es mit schmallippigen Grüßen und haßerfüllten Augen an mir aus. Traf ich im Treppenhaus oder beim Einkaufen auf schwatzende Nachbarinnen – die Hälfte war mit dem Witwenstand gesegnet – wurde es plötzlich still. Nach einem halben Jahr war ich isoliert.

Und Max? Vertiefte sich geradezu philologisch in seinen Wahn. Die Kopien wurden vervielfältigt, damit sie in jedem Raum griffbereit waren. Ich hatte vergessen zu erzählen, daß es Kopien aus einem Opernlexikon waren, Stichwort: Leitmotiv. Von A bis Z waren dort auf mehreren Seiten penibel sämtliche Leitmotive Wagners mit Noten aufgelistet. Und Max lernte schnell. Er lernte Noten und machte Anmerkungen. Zum Beispiel nach der Art: Sehr gut CD 1, 2; 5:14. Dies bedeutete dann, daß irgend eins der Leitmotive auf CD 1, Track 2, nach 5 Minuten und 14 Sekunden deutlich zu erkennen war. Bald ging er dazu über, Listen zu führen, türmte zu jedem Motiv CD-Belegstellen auf. Und andauernd zog er neue Kopien, weil er die alten so schnell abgegrabbelt hatte.

So – jetzt führen Sie sich vor Augen und Ohren, daß Max sich dieses Zeug summend und mimend einzuprägen versuchte.

Versuchte?

Das ist untertrieben. Es gelang ihm nämlich – so weit ich es beurteilen kann. Max bewegte sich nur noch summend und mimend durch die Wohnung. Wagners Opern – Musikdramen verbesserte er mich irgendwann – wurden sein einziger Lebensinhalt. Er stand vor dem Spiegel, schnitt Grimassen und summte, während die Boxen dröhnten. Summte und entstellte sich unter dem Kopfhörer, verrenkte Kopf und Kragen, wenn er sich summend rasierte. Sein Gesicht geriet zu einer einzigen Verstauchung, wobei ich irgendwann lernte, an der Mimik abzulesen, welche WagnerPassagen er gerade hörte. Allein während der Mahlzeiten blieb er normal. Dies letzte Gnadengeschenk wurde mir noch zuteil, ansonsten beschränkte sich unsre Konversation auf Ja und Nein – gemimt.

Als ich einmal in einem mutigen Anfall eine CD zerbrach, war seine Reaktion nur ein greisenhaft debiles Kopfwackeln nebst lächelnder Grimasse. Am nächsten Morgen war die Lücke im CDSchrank wieder gefüllt. Ich hatte ihm geradezu einen Gefallen getan, verstehen Sie?

Meine Liebe, ich will nicht mehr weitererzählen, wie diese Leiden mich ausgehöhlt haben. Meine Aggressionen nützten mir überhaupt nichts. Mir blieb als einziges, mich in Kaufräusche zu flüchten – und Hoffnungen auf Besserung hinterherzuträumen. Ich hatte keine Kraft, mich irgendjemand anzuvertrauen. Nachts heulte ich oft, schaffte es aber nicht, endlich einen Psychiater zu alarmieren. Und so wuchs die Angst, beim bevorstehenden Familienfest, unsere EheTragödie enthüllen zu müssen.

Max hatte versprochen, sich zusammenzureißen, aber ich konnte ihm nicht mehr glauben. Wie auch? Während der Fahrt summte er, und noch die Eingangshalle des Hotels wurde mit dem SiegfriedMotiv begrüßt. Vor der Rezeption dann – nichts, eine Sekunde, bevor ich mit einem hysterischen Anfall zusammengebrochen wäre.

Können Sie nachvollziehen, wie gierig ich diese plötzliche Stille aufsog? Noch heute spüre ich, wie meine geschundenen Nerven vibrierten, weil sie dieses Wunder gar nicht schnell genug verarbeiten konnten. Es war ein echter Schock. Ein Schock, der mich in der Lobby auf einen Sessel warf, wo Max mich sitzen ließ und nach einigen Minuten mit zwei Campari wiederkam.

»Ein kleiner Fitmacher«, sagte er unschuldig, »hilft nicht nur gegen Kilometerschwäche, sondern auch Familienfrust. Wohl bekomm´s!«

Mechanisch griff ich nach dem Glas, schaute ihn dabei an, und – Sie können es glauben oder nicht: Nach dem ersten Schluck sah ich klar. Die körperliche Schwäche blieb, aber mein Geist war hellwach. Und das heißt: Mein Verstand kroch hinter Max’ Fassade, sammelte alle Indizien seines Wahns und präsentierte sie mir als Absicht. Schlagartig hatte ich ihn durchschaut, erkannte ihn in seiner erbarmungslosen Egomanie. Keine alterstypische Schrulle, Marotte, Verrücktheit leitete ihn, sondern vernunftgesteuerter Egoismus. Dieser mir vor über dreißig Jahren angetraute Mensch nahm ohne Skrupel in Kauf, daß ich hinter den Mauern der Psychiatrie verschwand.

Ich war nicht erschrocken, meine Liebe, dazu fehlte ja schlicht die Zeit. Ich sagte nur: »Zum Wohl«. Fertig. Mehr nicht. Im Gegenteil: Ich fühlte mich frei. Das erste Mal begriff ich die Philosophen, denen Erkenntnis alles ist. Ohne Eile verweilte ich bei meinem Campari, während Max das Gepäck aufs Zimmer trug. Anschließend wollte er schwimmen gehen und die Sauna ausprobieren. So wie immer.

Warum, kann ich Ihnen heute noch nicht sagen – wahrscheinlich war es die reine Langeweile: Ich ging ebenfalls schwimmen. Schwach wie ich war, schaffte ich gerade mal drei Bahnen, dann mußte ich eine Pause einlegen. In der plantschte ich wie ein Kind, richtig ausgelassen. Doch schließlich raffte ich mich zu noch einmal drei Bahnen auf.

Ich dachte an nichts, spürte nur Lust aufs Abendessen. Derweil schnaufte Max im Kaltwasserbecken. Ich mußte an früher denken und ertappte mich bei einem Lächeln. Und dies Lächeln, meine Liebe, half den sogenannten dummen Gedanken endgültig auf die Sprünge – nehme ich mal an. Aber es kann eigentlich nicht anders gewesen sein. Aber wie dem auch sei: Neben den Liegestühlen lockte ein nicht abgegriffener Stapel Zeitschriften. Von der Frau im Spiegel bis zum – amerikanischen – Playboy.

Ich hatte gerade die Madame durch, da bekam ich Besuch von Max. Er hatte den zweiten SaunaDurchgang hinter sich, nun mummelte er sich verschwenderisch in die weißen Hotelbadetücher ein. In Gedanken hatte ich schon zig Tausende für Kleider ausgegeben, blätterte genüßlich in der Vogue und ließ mich nicht stören. Max kam deswegen nicht zur Ruhe. Also griff er auch in den Stapel und vertiefte sich in Busen, Dreiecke und schmutzige Witze.

Nun, Sie wissen, irgendwann kühlt man aus. Und ob kalte Füße oder nicht, ob gesund oder nicht: Es zog mich in die Sauna. Bloß zum Aufwärmen.

Ist der Groschen bei Ihnen gefallen? Muß ich noch weitererzählen? Der sogenannte dumme Gedanke begann in der Hitze zu schwitzen, nahm in Lichtgeschwindigkeit Gestalt an. Ich räkelte und präsentierte mich: Max guckte – der Playboy, wissen Sie? Etwas reckte sich sehr anschaulich: Königsformat.

»Komm!«

Muß ich noch deutlicher werden?

Nein. Sie sind alt genug. Strengen Sie Ihren Grips an. Wenn Sie es wirklich wollen – ja, auch körperlich , dann haben Sie dieselben Chancen. Was das betrifft, sind Männer schließlich alle gleich. Sogar, wenn sie den Playboy nicht vorher in den Fingern gehabt haben!

Na ja – es hat bestimmt komisch ausgesehen, wie er nach einer Viertelstunde da in seinem Schweiß auf mir hing, denn anders kann man es nicht nennen. Beide Hände mir in die Hüften gekrallt, das Kinn auf meiner rechten Schulter. Wir – ich bin da ganz ehrlich – sind beide auf unsere Kosten gekommen. Aber dann tat’s weh, sag’ ich Ihnen. Sein Kinn hat mir, während er von mir abrutschte, nämlich fast den Nackenstrang kaputtradiert. Max war nicht dick, aber stattlich.

Alles in allem also ein sauberer Herzschlag. So schön möchte ich es auch haben, wenn ich an der Reihe bin.

Wie’s dann weiterging, ist schnell erzählt: Ich stemmte Max aus der uns kompromittierenden Haltung und weiß noch heute, wie sehr ich mich über das Geknarre der Saunabänke ärgerte. Dann tupfte ich mit dem Handtuch verräterische Spuren weg und ging duschen. Es war auch höchste Zeit. Länger hätte ich nicht mehr durchgehalten. Mir wurde schwarz vor Augen, als ich den Hahn aufdrehte. Disziplin war jetzt alles.

Als erstes stieg ich laut prustend ins Tauchbecken. Dazu gab es ein bißchen Theater. Mehrmals rief ich laut und honigsüß:

»Max, komm raus! Nicht so lang!«

Dann schlich ich beherzt in den Schwitzkasten zurück: nochmal ausgiebig tupfen.

Wie es weiterging?

Ich rannte halbnackt an die Rezeption. Nach Kriegsverwundetenmanier haben wir Max aus der Sauna gezogen und unter der Schwallbrause abgelegt. Der Arzt machte ein bekümmertes Gesicht, gab mir ein Beruhigungsmittel. Aber er war ein Arzt, der gerne Krimis las. Es lag an Max vermeintlich allerbestem Stück … eine lange Leitung haben sie, die Männer.

Meine Liebe, ich will Ihnen nur noch eins sagen, damit Sie sich ärgern: Der Herr Badedoktor war Witwer und ich gefiel ihm. So spielt das Leben.

Laufen Sie ruhig zur Polizei! Alles ist lange her, meine Liebe. Was Sie gelesen haben, können Sie mir auf dem Friedhof vorwerfen.

© Andreas Liebert 1999



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