Billy Wilder: Eine Nahaufnahme, von Hellmuth Karasek
Hoffmann und Campe 1992
ISBN 3-455-08453-2
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Wertung: 4 Mephistos
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Billy Wilder, Drehbuchautor und Regisseur, erzählt – angefangen von seiner Kindheit im kaiserlich-königlichen Österreich, über seine ersten Arbeitserfahrungen und seine Entscheidung, Drehbuchautor und später Regisseur zu werden, bis zu seiner Emigration nach Amerika vor dem zweiten Weltkrieg und seiner Hollywoodkarriere.
Dem ehemaligen Spiegel-Literaturkritiker Hellmuth Karasek gelang es, Billy Wilder davon zu überzeugen, dieses Buch zu machen. Zuerst war Wilder skeptisch, aber als das Eis erst einmal gebrochen war, durfte Karasek Wilder über Monate hinweg fast täglich in seinem Büro in Los Angeles besuchen und Wilder begann zu erzählen. Schließlich scheute er nicht einmal mehr Volker Schlöndorffs Kamera und so entstand in der Zusammenarbeit mit Karasek die Fernsehdokumentation “How did you do it, Billy?”
Doch “Billy” tat mehr, als Schlöndorffs Dokumentation zeigen kann – und so hat Karasek die Gespräche in diesem Buch dokumentiert. Wie einst die Dokumentation, lebt es von Wilders unvergleichlicher Art, zu erzählen. Wilder ist der geborene Alleinunterhalter, ihm fällt zu jeder kleinen Begebenheit noch eine Geschichte aus seinem Leben ein.
Karaseks Buch fängt bei Null an – bei Wilders Geburt in Österreich, 1906 und seiner Kindheit während der Kaiserzeit. Karasek dokumentiert dann, wie Wilder seine ersten Berufserfahrungen als Journalist sammelte und wie er 1929 in Deutschland mit der Filmbranche in Kontakt kam. Der spätere Regisseur war ein Lebenskünstler, aber einer mit Weitblick: Schon 1933, noch rechtzeitig vor Hitlers Machtergreifung flüchtete er zusammen mit einem Bekannten, dem Schauspieler Peter Lorre über Frankreich in die USA. Und dort begann seine eigentliche Karriere als Drehbuchautor und Regisseur. Wilder erinnert sich an jedes Detail und erzählt nicht nur über sich, sondern auch über die Leute, mit denen er Kontakt hatte und was um sie herum vorging.
Wilder nimmt kein Blatt vor den Mund und schreckt auch nicht davor zurück, seine Kollegen scharf zu kritisieren, jedoch immer mit einem kleinen Schmunzeln dabei. Gleichzeitig ist er aber gegenüber sich selbst höchst bescheiden und lobt sich nur sehr selten – wenn, dann aber mit gutem Grund. Er ist zurecht stolz auf seine besten Filme, er hält sich aber nicht für ein Genie. Kritik an seinen Werken kann er vertragen, hält sich aber gerne davon fern : In der Fernsehdokumentation fragt ihn Volker Schlöndorff, ob er eine Sammlung von Rezensionen über seine Filme habe. Wilder guckt ihn entsetzt an : “Bist du verrückt? Keine einzige!”
Tausendundeine Anekdote aus Billy Wilders Leben – das ist unterhaltend, interessant und man gibt einem Einblicke in die Hintergründe der “Traumfabrik” Hollywood. Wilder ist ein hervorragender Erzähler, und Hellmuth Karasek ein Schriftsteller, der es hervorragend versteht Billy Wilders Worte aufs Papier zu bringen. 4 Mephistos für einen Lesegenuß erster Güte.
Guido, Juni 1999
Und so werten wir:
0 Mephistos: Dieses Buch ist allenfalls als Toilettenpapier zu gebrauchen.
1 Mephistos: Dieses Buch ist so aufwendig gemacht, daß es als Klopapier zu schade ist. So darf es nach dem mühsamen Lesen im Regal stehenbleiben oder gegebenenfalls weiterverschenkt werden an Leute, die man nicht besonders mag.
2 Mephistos: Gut, zugegeben, dieses Buch war für ein wenig Unterhaltung gut und eignet sich dazu, eine lange S-Bahn-Fahrt zu verkürzen. Aber mehr als einmal werden wir es nicht lesen.
3 Mephistos: Dieses Buch nehmen wir gern mal wieder zur Hand. Ordentlich geschrieben, darf es in der ersten Reihe im Bücherschrank stehen. Vielleicht verschenken wir es auch an den einen oder anderen Bekannten.
4 Mephistos: Klasse! Dieses Buch ist einfach genial. Sowas schenkt man lieben Freunden und nimmt es gern auf die einsame Insel mit.
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