Hän die koi Kabel net?

Ja, ich gebe es zu, ich habe auch so ein Teil. Es ist klein, niedlich, schimmert blaumetallic, leuchtet, wenn man es einschaltet, piepst, wenn es was von mir will – und es ist kein Tamagotchi.

Die Rede ist vom Handy, einst Statussymbol, heute so alltäglich, daß man sich fast schämt, auch eins zu besitzen.

Lang habe ich widerstanden, weil mir die Kosten zu hoch waren und ich nicht verstand, warum man sich noch ein Stück allzeitige Erreichbarkeit antun sollte, wo man doch eh schon von Telefonzellen und -apparaten verfolgt wird..

Bis zu jenem Tag, als ich auswärts war und auf die Minute genau einen schwer erreichbaren Handyverweigerer anzurufen hatte. Wie’s der Teufel so will: Da war weit und breit keine Telefonzelle. Mir hing die Zunge schon zum Hals raus, als ich schließlich doch noch rechtzeitig in eine hineinhechelte – und als ob das noch nicht genug gewesen wäre, zog sich die Suche nach einer Telefonzelle wie ein roter Faden durch dieses Wochenende: Spätestens als ich beim Taxiunternehmen jemanden erreichen wollte und deren Telefon gestört war, so daß ich es alle Viertelstunde neu probieren mußte, hätte ich mir ein Handy bitterlich gewünscht.

Und dann war da noch die Anfahrt zur Roggenmühle, wo die Lieblingshexe in der Wegbeschreibung mal wieder rechts und links verwechselt hatte und ich buchstäblich im Wald landete – auch hier natürlich wieder weit und breit kein Telefon.

So kaufte ich mir vor Antritt der nächsten Reise endlich den putzigen Spielgefährten mit Zweijahresvertrag – und blies die Reise ab.

Jetzt habe ich ein neues Spielzeug mit tausend Funktionen, die kein Mensch braucht (oder brauchen Sie ein Handy, das bei Anruf den Hochzeitsmarsch dudelt?) und das dann, wenn man es am nötigsten bräuchte, nicht funktioniert – fragen Sie mich nicht, für wieviel Geld ich in England mit dem Support in Deutschland telefoniert habe, weil das Teil sich partout nicht ins englische Netz einbuchen wollte, bis ich einen Tag später erfuhr, daß es in der Mannesmann-Zentrale einen Netzausfall gegeben hatte und es nicht an mir oder meinem Handy lag!

Angerufen hat mich bisher erst eine Person, wir waren mit zwei Autos in München unterwegs und verloren uns zwischendurch aus den Augen – in dem Fall war es wirklich nützlich, daß wir beide unsere Kommunikatoren dabeihatten. (Bitte werfen Sie jetzt nicht ein, daß wir ohne Handys vielleicht mit einem Auto gefahren wären!)

Der kleine Freund verleiht mir immerhin ein Gefühl der Sicherheit – weiß ich doch, daß die meisten Notrufe von Handys aus getätigt werden, und so fühle ich mich auch nachts ein wenig besser. Der Gedanke, mit einer Reifenpanne im Wald liegenzubleiben, ist plötzlich nicht mehr so erschreckend. Wollen wir hoffen, daß das dann nicht gerade in einem Funkloch passiert…

Neulich hatte ich einen Alptraum: Mein Handy war vom Hersteller ausgetauscht worden, und ich bekam ein neueres Modell – mit Tasten so winzig, daß man einen Kugelschreiber brauchte, um sie zu betätigen. Und so sehr ich mich auch abmühte, es gelang mir nicht, mit dem Teufelsding auch nur eine einzige Verbindung herzustellen – entweder verwählte ich mich, oder ich bekam kein Freizeichen. (Es stimmt mich nachdenklich, daß ich häufig solche Träume von Telefonen habe…)

Niemals jedoch würde ich mich zum Sklaven meines Handys machen lassen, so wie Wedekind (Name von der Redaktion geändert): Als Selbständiger und Freiberufler braucht er so ein Gerät natürlich und leitet auch brav seine Telefonnummer darauf um. Leider habe ich das Pech, ihn überproportional häufig im Auto zu erwischen, wo er nur höchst ungern telefoniert. Selbst beim Abendessen im trauten Familienkreis beantwortete er noch brav jeden Anruf, wenn auch unwirsch. Auch mitten im Gespräch folgte er beflissen dem Schrei des kleinen Plagegeists – und langsam fragte ich mich, ob es überhaupt einen Ort gab, an dem er das Teil nicht dabeihatte, vor allem, weil es ihm offensichtlich keine Freude bereitete.

Mittlerweile hat er aber dazugelernt und erinnert sich, daß er über sowas Nützliches wie eine Voicebox verfügt.

Mein Handy ist meistens ausgeschaltet. Es reicht, daß ich in meinem Job ständig erreichbar sein muß, ich brauche das nicht noch zuhause oder unterwegs. Ich muß weder im Konzert, noch im Theater, noch im Restaurant ständig erreichbar sein.

Und wie steht es mit Ihnen?

Olivia Adler, Juni 1999



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