Ein Heidenspaß:
“Reine Nervensache (Analyze this)”
Darsteller: Robert de Niro, Billy Crystal u. a.
Werbung: DVD bei Amazon
Wertung: 5 Finger
Werbung:
Mafiaboß Paul Vitti (Robert De Niro) ist auch nicht mehr der Mann, der er mal war. Der Ärmste leidet an Panikattacken und Angstzuständen, was sich gar nicht schickt für den Don einer ehrenwerten Familie. Nicht einmal einen kleinen Gauner kann er mehr in die Mangel nehmen, geschweige denn töten. Und dummerweise wirkt sich das auch auf sein “Stehvermögen” im Bett aus. Das muß aufhören, denn bald blüht ihm ein Treffen mit einer Menge hoher Mafia-Tiere, bei dem er den coolen Gangster mimen muß. Und zu allem Übel kommen auch noch ein Mordanschlag und das FBI, das ihm endlich an den Kragen will, hinzu.
Vitti marschiert also schnurstracks in die Praxis von Psychiater Dr. Sobol (Billy Crystal). Dem macht er zunächst klar: “Wenn Sie eine Schwuchtel aus mir machen, bringe ich Sie um”. Damit wäre alles geklärt, und ein Nein kommt für Vitti eh nicht in Frage. Dr. Sobol muß von nun an die Eskapaden seines Patienten erleiden, die das Verfolgen bis in den Urlaub, ein Bad im Haifischbecken und eine Leiche im Lachsbuffet bei seiner Hochzeitsfeier umfassen.
Es macht einen Heidenspaß, den beiden Hollywoodstars zuzuschauen. Billy Crystal (“Harry und Sally”), Meister des unterschwelligen Humors, gibt den entnervten Seelenklempner, der selbst einige häusliche Probleme hat. Und method actor Robert De Niro ist mal wieder der Mafiaboß, aber wegen seiner allzu otto-normal-menschlichen Sorgen ein sympathischer diesmal. Mit einem verschmitzten Grinsen schaut er auf seine bisherigen Genrerollen (“Der Pate”, “GoodFellas”, “Casino”) zurück, verfällt aber nie in dumpfe Blödelei. Statt dessen liefern sich Kopfdoktor und Killer spritzige, bissige Dialoge und zitieren schon mal das Original. In einem Traum wird Crystal mit einer Tüte Orangen in der Hand auf der Straße erschossen. Solche Insidergags erhöhen den Spaßfaktor ungemein.
Regisseur Harold Ramis hat das Prinzip vom verfolgten und am Ende eigentlich selbst therapiebedürftigen Psychiater aus “Was is’ mit Bob?” aufgegriffen und um die Mafia-Story erweitert. Herausgekommen ist ein kurzweiliges und eher wortlastiges als bleihaltiges Duell zweier hervorragender Schauspieler, wobei vor allem De Niro der seltene Ausflug ins komische Fach beeindruckend gelungen ist.
Unterhaltsam sind auch die Auftritte von Joseph Viterelli, dessen Name vielen kaum bekannt sein wird, sein Gesicht ist es aber um so mehr. Sein Doppelkinn und die hängende, zerfurchte Visage zierten schon zig Mafiafilme, hier spielt er Vittis rechte Hand Jelly, der wieder einen richtigen Mann aus seinem Boß machen will.
Tempest, Juni 1999
Und so werten wir:
1 Finger: Für dieses Verbrechen an der Menschheit hat die gesamte Filmcrew nur eines verdient: Den Effe. SCHUND!
2 Finger: Den Film kann man genießen. Ja – Ehrlich! Man kann drüber lachen. Ganz laut. Natürlich sollte man in der richtigen positiven Grundstimmung sein, bevor man die Tüte raucht. Denn dieser Film ist nur auf Drogen zu ertragen.
3 Finger: Da riskiere ich einen Blick. EINEN. Denn mit zwei Fingern halte ich mir die Ohren und mit einem ein Auge zu.
4 Finger: Zwei auf jeder Seite. Damit muß ich mich ab und zu mal festhalten. Aber sonst geht der Film eigentlich.
5 Finger: Geballt zur Siegesfaust! Denn dieser Film ist einfach Klasse und empfehlenswert. Hollywood (oder Geiselgasteig bzw. Little Boredom/UK oder wo immer dieser Film entstanden ist), Du hast mich ausnahmsweise mal versöhnt.
Artikel bewerten:











