Mephistos “Matrix”-Special
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Rezension 1 von Olivia:
“The Matrix”
- Träume dein Leben, lebe deinen Traum.
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Mein erster spontaner Kommentar zum Trailer war “Das sieht ja aus wie in meinen Träumen!”
Anscheinend durchleben da noch andere die gleiche chaotische Bilderwelt jede Nacht, und gottlob sind diese anderen zwei junge Filmemacher, die das Glück hatten, einen Geldgeber für ihre phantastischen Ideen zu finden.
Gewöhnlich folgt auf einen solchen Bomben-Trailer die herbe Ernüchterung im Kinosaal – bei Akte X ging es mir so, dieser Film folgte dem Beispiel aber nicht.
Die Geschichte in Kürze: Tagsüber ist er der gern unpünktliche, durchschnittliche Programmierer Thomas Anderson, ein nicht besonders effektives Rädchen im Getriebe, nachts ist er Neo, der Superhacker, der riskante Geschäfte jenseits der Legalität macht und vor seinem Computer in der trostlosen Junggesellenbude einschläft.
Eines Tages erreicht ihn dann eine mysteriöse Nachricht auf seinem Bildschirm, die seinen latent schwelenden Verdacht bestätigt, daß irgendwas mit der Welt um ihn herum nicht stimmen kann. (Haben Sie nicht auch manchmal das Gefühl, daß Sie Tag für Tag in eine geschlossene Anstalt gehen und der abendliche Weg nach Hause ins Familienduell nur eine von Beruhigungsmitteln induzierte Illusion ist? Und ging es Ihnen nicht auch schon so, daß Sie morgens aufwachten, aufstanden, und dann plötzlich feststellen mußten, daß Sie in Wirklichkeit immer noch träumten?)
Die düster-martialisch in schwarzen Lack gewandete Rebellin Trinity (cool und bildschön: Carrie-Anne Moss) führt den Nachwuchs-Mitnick schließlich in eine Untergrundorganisation ein, deren charismatischer Kopf Morpheus (überzeugend dargestellt von Laurence Fishburne) schon seit langem nach dem vom Orakel bestimmten Erlöser sucht und ihn in Neo gefunden zu haben hofft.
Mit Neo erfahren wir, daß seine alltägliche Welt in Wahrheit nur ein computergenerierter Traum ist und er tatsächlich wie alle anderen Menschen zusammen in einer gigantischen Unterwelt in einer Höhle in einem Kokon lebt, in dem er geboren wurde. Auch die Zusammentreffen mit den Rebellen finden nur auf einer mentalen Ebene statt, da sein Körper immer noch in diesem Kokon liegt.
Gegen Ende des 20. Jahrhunderts gelang den Menschen der entscheidende Durchbruch in der KI-Forschung (KI = künstliche Intelligenz), und sie konstruierten Maschinen, die ihre Schöpfer schnell überrundeten und schließlich, nachdem im Lauf des Krieges zwischen Menschen und Maschinen die Energie der Sonne hinter einem dicken Wolkenteppich verschwand und andere Energiequellen nicht mehr nutzbar waren, die Menschen als “lebende Batterien” mißbrauchten und, um sie über ihren wahren Zustand im unklaren zu halten, in eine virtuelle Welt (die “Matrix”) versetzten, in der die Menschen ein normales Leben zu führen glaubten. Nur einige wenige erkennen sich selbst, werden sich ihres Zustands bewußt und schließen sich dem Widerstand an, der, genährt von Mythen und Sagen und der Hoffnung auf den prophezeiten Erlöser, in der virtuellen Welt nach neuen Rekruten sucht.
Mit Neos Hilfe gelingt es den Rebellen, seinen Körper zu lokalisieren und aufzuwecken – und das ist eine der packendsten und eindringlichsten Szenen des Films, die echte Geburt eines Menschen, der über dreißig Jahre seines Lebens in einem Traum gefangen war. Diese Geburt ist schmerzhaft und schockierend, auch für den Zuschauer. Ich will nicht zuviel vorwegnehmen, um Ihnen den starken Eindruck zu erhalten.
Die Traumwelt spielt gegen Ende des 20. Jahrhunderts, die tatsächliche Welt ist einige Jahrzehnte, vielleicht auch Jahrhunderte weiter, das weiß keiner so genau. Die Erde ist verbrannt und zerstört, das Leben hat sich unter die Erdoberfläche verlagert, und Zion, das gelobte Land, ist gar in der Nähe des Erdkerns zu finden.
Neos Körper wird von den Rebellen geborgen und aufgepäppelt, an Bord eines Schiffes, das an Kapitän Nemos U-Boot erinnert und die Operationsbasis der Rebellen darstellt.
Neo wird von seinem Mentor Morpheus ausgebildet und schließlich auch dem Orakel vorgestellt – die Seherin ist eine freundlich-mütterliche Afro-Amerikanerin in einer kleinen, gemütlichen Küche, durch die Jazzklänge der 40er Jahre wehen, ein drastischer Stilbruch, nie ist in diesem Film etwas so, wie es scheint. Sie soll Neo sagen, ob er der Erwählte ist – und wie es scheint, ist er es nicht, und die Kunde, die sie ihm bringt, ist ziemlich unangenehm.
Die Maschinen werden in der menschlichen Traumwelt durch austauschbare Agenten im Blues Brothers Look symbolisiert, die nahezu unbesiegbar und unzerstörbar sind.
“Die erste Welt, die wir für die Menschen erschaffen hatten, war perfekt”, erklärt Chefagent Smith im Verhör Morpheus. “Aber die Menschen wollten immer daraus erwachen, weil sie nicht glauben konnten, daß eine so perfekte Welt wahr ist. Also haben wir ihnen eine Welt voller Fehler geschaffen, die können sie als Realität akzeptieren.” Man gibt es ungern zu, aber Smith hat recht.
Wenn man das “Making Of” gesehen hat, weiß man, daß dieser Film nicht zuletzt eine Hommage an die asiatischen Kung Fu Filme ist, die sich selbst nie ganz ernst nehmen und auf aufwendige Seiltricks zurückgreifen, um die unrealistisch artistischen Sprünge und Salti überhaupt möglich zu machen. Für die Schauspieler bedeutete das hartes Training und strapaziöse Dreharbeiten, die am Ende zu verblüffenden Effekten führen, so bleiben Menschen in der Luft plötzlich stehen, laufen Wände hoch oder negieren mit ihren Sprüngen die Gesetze der Schwerkraft.
Überhaupt ist dieser Film ein ästhetisches Erlebnis – die Szene, in der gigantische Maschinenwesen, die aussehen wie überdimensionierte Mikrofone gekreuzt mit Riesenkraken, ein schier unendlich erscheinendes Feld mit menschlichem “Saatgut” beackern, erinnert einerseits an H. G. Wells’ “War of the Worlds”, andererseits aber auch an die apokalyptische Bildgewalt eines Pieter Breughel.
Auch die drei Hauptdarsteller sind eine Freude fürs Auge, und man muß Reeves’ Kollegen (unter anderem Brad Pitt) dankbar sein, daß sie die Rolle nicht wollten, denn sie ist dem väterlicherseits halb hawaiianisch/chinesischstämmigen Schauspieler wie auf den Leib geschrieben. Er paßt mit seiner etwas exotischen und neben aller Ästhetik auch etwas irritierenden, rätselhaften Erscheinung gut in ein von Endzeitstimmung und William Gibson geprägtes Umfeld, das hat er schon mit Johnny Mnemonic bewiesen.
Als Neo und Trinity sich für den letzten entscheidenden Kampf rüsten, darf der Zuschauer die Allmachts-Sehnsüchte der Teenagerzeit ausleben und würde sich am liebsten selbst in die dramatischen schwarzen Lederklamotten und langen Mäntel werfen und aus einem unerschöpflichen Waffenarsenal bedienen. Wer hat noch nicht geträumt, daß er mal Superman sein darf und die Welt retten? In einer Traumwelt, in der Newtons und Einsteins Gesetze nicht gelten und auch ein Pistolengeschoß mit der Kraft des Geistes angehalten werden kann, ist man doch gerne Held. Auch wenn das Erwachen trotzdem am Ende noch ein böses ist, denn wenn es auch einen Hoffnungsschimmer für die Widerständler gibt, wird doch klar, daß die eigentliche Arbeit jetzt erst anfängt, daß gerade mal ein Grundstein für die Erlösungsarbeit gelegt wurde.
Wie bewertet man so einen Film? Das ist wieder einer von der Sorte, die man entweder haßt oder liebt – ich entscheide mich für letzteres. Nicht nur wegen der großartigen Bilder und Keanu Reeves, auch wegen der philosophischen Betrachtung von Sein und Schein, die durch den Film gut illustriert wird. Gerade im Science Fiction Bereich gibt es so viele grauenhaft langweilige Filme, die außer schleimigen Aliens, dumpfen Dialogen und Materialschlachten nichts zu bieten haben, da fällt ein Film wie “The Matrix” angenehm auf. Natürlich lassen die Regisseure es auch hier krachen, aber der Film ist nicht sinnlos blutrünstig und hat die Ästhetik und das Tempo eines Manga-Comics. Ich gebe vier Finger – den fünften muß ich für “Krieg der Sterne” (das Original, nicht Episode 1) reservieren, den ich mir ohne den geringsten Anflug von Langeweile oder Ernüchterung bereits fünf oder sechsmal ansehen konnte. So weit wird es “The Matrix” zwar nicht bringen, aber ich werde ihn mir mindestens noch einmal im Kino ansehen und vielleicht sogar das Video kaufen. Allein die reiche Phantasie der Macher, die erlesenen Stunts und die sehr überzeugend umgesetzte Traum-Atmosphäre sind es schon wert.
Wertung: 4 Finger
Olivia Adler
.o.o.o.
Rezension 2 von Umberto:
“The Matrix”
- Voll daneben!
Ich habe mich wirklich auf den Film gefreut. Endlich mal wieder ein Science-Fiction mit etwas mysteriösem Anstrich. “Doch dann de Schock, als et anders uff disch zuköt” heißt es bei BAPs “Verdamp lang her” und das trifft es exakt. Verdamp lang her, daß ich so ein übles Machwerk gesehen habe und geschockt war ich von dieser pseudo-religösen, faschistoiden Geschichte von der Suche nach einem Messias, einem Führer, der die von von den inzwischen intelligent gewordenen Maschinen unterdrückten Menschen in die Freiheit bringt.
Das Gleiche könnte man sinngemäß auch Star Wars vorwerfen, nur gibt es einen riesigen Unterschied: “The Matrix” nimmt sich todernst und ist einfach nicht glaubwürdig.
Während sich in Star Wars noch Menschen mit Laserschwerten duellierten (was angesichts der Effektivität der sonstigen Waffen auch etwas lächerlich scheint, aber irgendwie noch Stil hat) treten in “The Matrix” Avatare im Cyberspace gegeneinander an. Was man mit Phantasie und den Hinterlassenschaften von Industrial, Light & Magic in eine interessante Auseinandersetzung hätte umgestalten können, endet in teenie- und popcornkinogängergerechten Kung Fu-Szenen (die man bei Jackie Chan auch ohne Rechnerunterstützung schon origineller gesehen hat) oder wilden Schießereien (die man bei John Woo ebenfalls ohne Rechnerunterstützung noch origineller sehen konnte) Daß die Computerwesen bei den Schießereien auch noch nachladen müssen, ist ja wohl ein herber Programmierfehler.
Auf weitere Details, wie etwas das lächerliche Suspense-Element, daß man den Cyberspace nur an bestimmten Stellen und einzeln verlassen kann, will ich gar nicht eingehen.
Den Tiefpunkt erreicht der Film dann am Schluß, als Keanu Reeves nach spastischem Kung-Fu-Kampf (war das das komische Element des Films?) tod darnieder liegt und durch den Kuß einer Frau wieder zum Leben erweckt wird, die er vorher vielleicht dreimal genau angeschaut hat. So wird dem Kinogänger das Happy-End mit dem Baseballschläger eingeprügelt.
Die stark technolastige, musikalische Untermalung des Films läßt übrigens vermuten, daß der Teil der Menschheit, der auf sowas steht, bereits von den Maschinen unterdrückt wird.
Alle die das Thema Cyberspace wirklich interessiert, empfehle ich übrigens ein Stück Literatur, “Snow Crash” von Neal Stephenson, allen anderen empfehle ich, den Film zu vergessen.
Wertung: 1 Finger
Uwe Seidler
.o.o.o.
Rezension 3 von Sebastian Grohmann:
“The Matrix”
- Kein Meisterwerk, aber trotzdem toll
Da war er also: Die Matrix. Bundesstart am 17. Juni, damit er auch ja nicht dem Star Wars-Hype in die Quere kommt. Nun gut – man läßt sich gerne überraschen …
Neo (Keanu Reeves) ist ein Hacker. Im richtigem Leben arbeitet er als “Mr Anderson” bei einer großen Software-Firma, er ist ein kleines Rädchen im großen Getriebe der Welt. Eines Tages läuft ihm Trinity (Carrie-Ann Moss) über den Weg, die ihn zu Morpheus (Laurence Fishburne) führt. Morpheus bietet Neo eine Entscheidung: Zu wissen oder zu vergessen. Neugierig wie Hacker sind, entscheidet sich Neo für das Wissen und erwacht plötzlich in einer Welt, die er nicht kennt: Man schreibt 2199 und Menschen dienen als Batterien für intelligente Maschinen und werden währenddessen in einer Art “Holodeck”, der Matrix, mit einer künstlichen Realität versorgt. Einige Untergrundkämpfer um Morpheus konnten fliehen und vermuten in Neo den “Auserwählten”, der mittels Gedanken die Matrix zu kontrollieren weiß und sie zerstören wird. Nachdem Neo den ersten Schock überwunden hat, geht er wieder zurück in die Matrix – verfolgt von Suchprogrammen, die ihn töten wollen. Doch während dieses Testlaufes wird Morpheus gefangen genommen. Neo steht vor der Entscheidung: Soll er Morpheus retten und selbst den Tod finden oder soll er Morpheus opfern, um die Menschheit zu retten?
Wahoo. Der Film erschlägt einen erstmal. Bereits in den ersten Minuten beschreiten die Wachowski-Brüder einen sehr intelligenten Weg des “story-telling”: An kritischen Punkten bremst der Film ab, um in Slow-Motion die Spannung ins Unerträgliche zu ziehen oder gar per Stop einen Schwenk um die Szenerie zu wagen. Und es funktioniert! Die doch recht originelle, aber nicht intelligente Geschichte wird mit technischer Perfektion zu einem fulminanten Kino-Erlebnis. Jedes Detail wurde beachtet: Beginnend bei den technischen Details wie Patronenanzahl der verschiedenen Waffen über die Luftverwirbelungen der einzelnen Geschosse bis hin zu den Flugbahnen diverser Splitter.
Fazit: Dieser Film erfüllt die Erwartung, die Star Wars für sich weckte. Er ist gute Unterhaltung, ein “Poster-Film” voller sensationeller Bilder, aber ebenso ein Film, der das Nachdenken lohnt. Die Anspielungen auf diverse Religionen sind unübersehbar – die auf andere Filme subtiler, aber frecher. Kein Meisterwerk, aber trotzdem toll.
Dafür 4 Finger!
Sebastian Grohmann
Und so werten wir:
1 Finger: Für dieses Verbrechen an der Menschheit hat die gesamte Filmcrew nur eines verdient: Den Effe. SCHUND!
2 Finger: Den Film kann man genießen. Ja – Ehrlich! Man kann drüber lachen. Ganz laut. Natürlich sollte man in der richtigen positiven Grundstimmung sein, bevor man die Tüte raucht. Denn dieser Film ist nur auf Drogen zu ertragen.
3 Finger: Da riskiere ich einen Blick. EINEN. Denn mit zwei Fingern halte ich mir die Ohren und mit einem ein Auge zu.
4 Finger: Zwei auf jeder Seite. Damit muß ich mich ab und zu mal festhalten. Aber sonst geht der Film eigentlich.
5 Finger: Geballt zur Siegesfaust! Denn dieser Film ist einfach Klasse und empfehlenswert. Hollywood (oder Geiselgasteig bzw. Little Boredom/UK oder wo immer dieser Film entstanden ist), Du hast mich ausnahmsweise mal versöhnt.
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